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kleines_bild_of_tag.jpgNicola Mohler meldet sich aus Yokohama:

Dienstag, 5. Mai:
Chinas Dominanz einmal mehr erdrückend: Wang Hao und Zhang Yining Weltmeister


Dass China das heutige Tischtennis regelrecht diktiert ist Fakt. An den Weltmeisterschaften kommt es dann jeweils zum bekannten Kampf gegen China und es stellt sich die Frage, wie viele Medaillen sich die restlichen Nationen – darunter auch die europäischen – ergattern können. Die Ausgangslage war einmal mehr denkbar schwer, denn die Anzahl an guten Spielern aus China scheint fast unüberblickbar. So konnte es sich das Land der Mitte einmal mehr sogar leisten, gewisse Spieler nur für die Mixed- oder Doppel-Kategorie anreisen zu lassen. Zudem konnten namhafte Europäer wie Kreanga, Boll oder Schlager aus privaten Gründen oder verletzungsbedingt nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen, was die Chance für eine europäische Medaille noch zusätzlich schmälerte.

Durch die grossen Möglichkeiten, welche China für die Doppelkategorien zur Verfügung standen, überraschte es nicht, dass es das Mixed-Doppel von Anfang bis Schluss dominierte. Ab den Halbfinals befanden sich nur noch chinesische Paarungen im Wettbewerb. Das Final bestritten schlussendlich Zhang Jike / Mu Zi gegen Li Ping / Cao Zhen, welches die Zweitgenannten mit 2:4 Sätzen für sich entscheiden und sich somit die Weltmeister-Krone in dieser Kategorie aufsetzen konnten. Damit gingen alle Medaillen in dieser Kategorie an China.

Im Herren-Doppel sah die Situation sehr ähnlich aus. Nur gerade die japanische Paarung Kishikawa Seiya / Mizutani Jun schaffte es nebst drei chinesischen Doppelpaarungen in den Halbfinal. Dort mussten sie aber ebenfalls die grosse Klasse Chinas anerkennen und verloren klar mit 0:4 Sätzen. Den Final entschieden dann Chen Qi / Wang Hao für sich, indem sie ihre beiden Landsleute Ma Long / Xu Xin mit 4:1 besiegten und sich damit verdient den Herren-Doppel-Titel holten. Mit dem Halbfinaleinzug konnten sich die Japaner immerhin eine Heim-Medaille an diesen Weltmeisterschaften sichern, auch wenn es leider nur zu einer bronzenen gereicht hat. Trotzdem ist dies sicherlich ein kleiner Trost für die zahlreichen Zuschauer, welche ihre Heimmannschaft immer treu und lautstark unterstützten.
Im Damen-Doppel gingen wie auch im Herren-Doppel drei chinesische Paarungen an den Start. Alle kämpften sich in den Viertelfinal vor, wo dann aber zwei chinesische Doppel aufeinander trafen. Da sich China somit selbst dezimierte, standen schlussendlich zwei chinesische, eine koreanische und eine hong-kong-chinesische Paarung im Halbfinal. Einmal mehr setzten sich die chinesischen Spielerinnen durch und standen sich somit im Final gegenüber. Dieses entschieden Guo Yue
/ Li Xiaoxia mit 4:1 Sätzen für sich und überliessen ihren beiden Nationalteamkolleginnen Ding Ning / Guo Yan nur die Silbermedaille, während sie sich selbst die Goldmedaille umhängen lassen durften.
Im Damen-Einzel sah die Situation nebst dem Mixed-Doppel wohl am schlechtesten aus für eine „Überraschungsmedaille“. Die asiatischen Spielerinnen sind auf dem Papier so stark, dass eine Medaille an einen anderen Kontinent schon fast als unmöglich betrachtet werden durfte. So verwunderte es wohl keinen, dass sieben von acht Spielerinnen in den Viertelfinals aus Asien stammten. Die vier verbliebenen chinesischen Akteurinnen konnten sich auch hier wieder souverän durchsetzen und die Halbfinals so zu einer rein chinesischen Angelegenheit machen. In den Halbfinals rechtfertigten Zhang Yining (WR 1) und Guo Yue (WR 2) ihre Weltranglistenposition und setzten sich gegen ihre Konkurrentinnen durch. Sie trafen im Final somit aufeinander. Zhang Yining erwischte im Endspiel zwar einen schlechten Start und lag derweilen mit 0:2 Sätzen zurück. Dann steigerte sie sich jedoch und konnte das Spiel noch mit 4:2 für sich entscheiden und so ihren ersten Einzel-Weltmeistertitel unter Dach und Fach bringen.
Bei den Herren hoffte man aus europäischer Sicht auf den Dänen Maze Michael (WR 18), welcher sich bis in den Viertelfinal vorkämpfen konnte. Aus japanischer Sicht hoffte man derweilen auf einen Überraschungssieg von Yoshida Kaii (WR 37), der als einziger Spieler aus dem Gastgeberland noch vertreten war. Auch Korea hatte mit Joo Se Hyuk (WR 9) noch einen Spieler im Wettbewerb, welcher bereits bewiesen hatte, dass er die chinesische Dominanz durchbrechen kann. Allen Hoffnungen zum Trotz konnte keiner der Aussenseiter bestehen, weshalb es wie bereits bei den Damen zu zwei rein chinesischen Halbfinals kam. Wang Hao (WR 1) und Wang Liqin (WR 5) setzten sich dort durch und standen sich somit im Final gegenüber. Wang Hao wollte natürlich, wie zuvor bereits Zhang Yining, seinen ersten Einzeltitel holen und zeigte dies von Anfang an. Er konnte die beiden ersten Sätze in der Verlängerung für sich entscheiden. Mit der 2:0 Satzführung im Rücken spielte Wang Hao wie beflügelt auf und entschied das Match danach klar mit 4:0 für sich. Auch bei den Herren gab es damit einen frischgebackenen Weltmeister.
Am Ende einer Weltmeisterschaft gilt es auch immer wieder Bilanz zu ziehen. So steht fest, dass China an diesen Wettkämpfen so viel Metall geholt hatte, wie nur möglich war. Die einzige Grenze, welche China gesetzt werden konnte, war die Anzahl Spielermeldungen pro Serie. So war es von vornherein nicht möglich, dass sämtliche Medaillen an China gehen würden, was durchaus auch im Sinne der restlichen Nationen war.
Trotz der beeindruckenden chinesischen Dominanz gab es auch gewisse Lichtblicke für die restliche Tischtenniswelt. So zeigten diverse junge, aufstrebende Spieler eindrückliche Leistungen und kamen zum Teil nahe an eine Überraschung heran. Leider fehlten in den entscheidenden Momenten dann noch die nötige Erfahrung und Abgeklärtheit, was aber nicht heissen muss, dass sich das in Zukunft nicht ändern kann. China hat zwar so viele starke Spieler wie wohl keine andere Nation, trotzdem setzen sich aber an den grossen Turnieren immer wieder die gleichen Akteure durch. Die Generation mit Wang Liqin, Wang Hao und Ma Lin ist wohl die stärkste überhaupt. Trotzdem können diese Aushängeschilder Chinas, wie auch bereits die Jahrhundert-Generation Schwedens mit Waldner und Persson, nicht für immer weiterspielen. Wie wird sich die Situation wohl entwickeln, wenn diese Generation mal in den Ruhestand geht und sich die im Moment aufstrebenden Youngsters der restlichen Länder weiterentwickeln und an Erfahrung gewinnen? Da wir leider nicht in die Zukunft blicken können, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als abzuwarten und zu schauen. Es ist auf jeden Fall zu hoffen, dass China bald wieder etwas mehr Konkurrenz bekommen wird.

 

Die Metropole Yokohama hat sich definitiv als würdiger Austragungsort der Weltmeisterschaften 2009 gezeigt und den Grossteil aller Schwierigkeiten mit Bravour bewältigt. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Punkt, welchen man noch hätte besser machen können, aber bei welchem Grossanlass ist das schon nicht der Fall. In dieser Woche konnten viele spannende und hochstehende Spiele betrachtet werden. Auch die Zuschauer strömten zum Teil in grossen Heerscharen in die Halle um vor allem „ihre Spieler“ betrachten zu können. So konnten zu Bestzeiten bis zu 10'000 Zuschauer gezählt werden, was natürlich mehr als nur erfreulich ist, speziell wenn man noch die leeren Ränge in Zagreb in Erinnerung hatte. Aber nicht nur tischtennismässig hatte Yokohama viel zu bieten. Auch vom kulturellen Aspekt her ist die Hafen-Stadt durchaus einen Besuch wert. Es bleibt zu hoffen, dass auch die kommenden Mannschafts-Weltmeisterschaften 2010 in Russland ein ähnlich grosses Zuschauerinteresse wecken können und der Ablauf ebenso reibungslos vonstatten geht wie in diesem Jahr.