Dienstag, 5. Mai:
Chinas Dominanz einmal mehr erdrückend: Wang Hao und Zhang Yining Weltmeister
Dass China das heutige Tischtennis regelrecht diktiert ist Fakt. An den Weltmeisterschaften kommt es dann jeweils zum bekannten Kampf gegen China und es stellt sich die Frage, wie viele Medaillen sich die restlichen Nationen – darunter auch die europäischen – ergattern können. Die Ausgangslage war einmal mehr denkbar schwer, denn die Anzahl an guten Spielern aus China scheint fast unüberblickbar. So konnte es sich das Land der Mitte einmal mehr sogar leisten, gewisse Spieler nur für die Mixed- oder Doppel-Kategorie anreisen zu lassen. Zudem konnten namhafte Europäer wie Kreanga, Boll oder Schlager aus privaten Gründen oder verletzungsbedingt nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen, was die Chance für eine europäische Medaille noch zusätzlich schmälerte.
Durch die grossen
Möglichkeiten, welche China für die Doppelkategorien zur Verfügung standen,
überraschte es nicht, dass es das Mixed-Doppel von Anfang bis Schluss
dominierte. Ab den Halbfinals befanden sich nur noch chinesische Paarungen im
Wettbewerb. Das Final bestritten schlussendlich Zhang Jike / Mu
Zi gegen Li Ping / Cao Zhen, welches die Zweitgenannten mit 2:4
Sätzen für sich entscheiden und sich somit die Weltmeister-Krone in dieser
Kategorie aufsetzen konnten. Damit gingen alle Medaillen in dieser Kategorie an
China.
Im Herren-Doppel sah
die Situation sehr ähnlich aus. Nur gerade die japanische Paarung Kishikawa
Seiya / Mizutani Jun schaffte es nebst drei
chinesischen Doppelpaarungen in den Halbfinal. Dort mussten sie aber ebenfalls
die grosse Klasse Chinas anerkennen und verloren klar mit 0:4 Sätzen. Den Final
entschieden dann Chen Qi / Wang Hao für sich, indem sie ihre beiden
Landsleute Ma Long / Xu Xin mit 4:1 besiegten und sich damit verdient
den Herren-Doppel-Titel holten. Mit dem Halbfinaleinzug konnten sich die
Japaner immerhin eine Heim-Medaille an diesen Weltmeisterschaften sichern, auch
wenn es leider nur zu einer bronzenen gereicht hat. Trotzdem ist dies
sicherlich ein kleiner Trost für die zahlreichen Zuschauer, welche ihre
Heimmannschaft immer treu und lautstark unterstützten. Im Damen-Doppel
gingen wie auch im Herren-Doppel drei chinesische Paarungen an den Start. Alle
kämpften sich in den Viertelfinal vor, wo dann aber zwei chinesische Doppel
aufeinander trafen. Da sich China somit selbst dezimierte, standen
schlussendlich zwei chinesische, eine koreanische und eine
hong-kong-chinesische Paarung im Halbfinal. Einmal mehr setzten sich die
chinesischen Spielerinnen durch und standen sich somit im Final gegenüber.
Dieses entschieden Guo Yue / Li Xiaoxia mit 4:1
Sätzen für sich und überliessen ihren beiden Nationalteamkolleginnen Ding Ning / Guo
Yan nur die Silbermedaille, während sie sich selbst die Goldmedaille umhängen
lassen durften. Im Damen-Einzel sah
die Situation nebst dem Mixed-Doppel wohl am schlechtesten aus für eine
„Überraschungsmedaille“. Die asiatischen Spielerinnen sind auf dem Papier so
stark, dass eine Medaille an einen anderen Kontinent schon fast als unmöglich
betrachtet werden durfte. So verwunderte es wohl keinen, dass sieben von acht
Spielerinnen in den Viertelfinals aus Asien stammten. Die vier verbliebenen
chinesischen Akteurinnen konnten sich auch hier wieder souverän durchsetzen und
die Halbfinals so zu einer rein chinesischen Angelegenheit machen. In den
Halbfinals rechtfertigten Zhang Yining (WR 1) und Guo Yue (WR 2) ihre
Weltranglistenposition und setzten sich gegen ihre Konkurrentinnen durch. Sie
trafen im Final somit aufeinander. Zhang Yining erwischte im Endspiel zwar
einen schlechten Start und lag derweilen mit 0:2 Sätzen zurück. Dann steigerte sie
sich jedoch und konnte das Spiel noch mit 4:2 für sich entscheiden und so ihren
ersten Einzel-Weltmeistertitel unter Dach und Fach bringen. Bei den Herren hoffte
man aus europäischer Sicht auf den Dänen Maze Michael (WR 18), welcher sich bis
in den Viertelfinal vorkämpfen konnte. Aus japanischer Sicht hoffte man
derweilen auf einen Überraschungssieg von Yoshida Kaii (WR 37), der als
einziger Spieler aus dem Gastgeberland noch vertreten war. Auch Korea hatte mit
Joo Se Hyuk (WR 9) noch einen Spieler im Wettbewerb, welcher bereits bewiesen
hatte, dass er die chinesische Dominanz durchbrechen kann. Allen Hoffnungen zum
Trotz konnte keiner der Aussenseiter bestehen, weshalb es wie bereits bei den
Damen zu zwei rein chinesischen Halbfinals kam. Wang Hao (WR 1) und Wang Liqin (WR
5) setzten sich dort durch und standen sich somit im Final gegenüber. Wang Hao
wollte natürlich, wie zuvor bereits Zhang Yining, seinen ersten Einzeltitel
holen und zeigte dies von Anfang an. Er konnte die beiden ersten Sätze in der
Verlängerung für sich entscheiden. Mit der 2:0 Satzführung im Rücken spielte
Wang Hao wie beflügelt auf und entschied das Match danach klar mit 4:0 für
sich. Auch bei den Herren gab es damit einen frischgebackenen Weltmeister. Am Ende einer Weltmeisterschaft
gilt es auch immer wieder Bilanz zu ziehen. So steht fest, dass China an diesen
Wettkämpfen so viel Metall geholt hatte, wie nur möglich war. Die einzige
Grenze, welche China gesetzt werden konnte, war die Anzahl Spielermeldungen pro
Serie. So war es von vornherein nicht möglich, dass sämtliche Medaillen an
China gehen würden, was durchaus auch im Sinne der restlichen Nationen war. Trotz der
beeindruckenden chinesischen Dominanz gab es auch gewisse Lichtblicke für die
restliche Tischtenniswelt. So zeigten diverse junge, aufstrebende Spieler
eindrückliche Leistungen und kamen zum Teil nahe an eine Überraschung heran.
Leider fehlten in den entscheidenden Momenten dann noch die nötige Erfahrung
und Abgeklärtheit, was aber nicht heissen muss, dass sich das in Zukunft nicht
ändern kann. China hat zwar so viele starke Spieler wie wohl keine andere
Nation, trotzdem setzen sich aber an den grossen Turnieren immer wieder die
gleichen Akteure durch. Die Generation mit Wang Liqin, Wang Hao und Ma Lin ist
wohl die stärkste überhaupt. Trotzdem können diese Aushängeschilder Chinas, wie
auch bereits die Jahrhundert-Generation Schwedens mit Waldner und Persson,
nicht für immer weiterspielen. Wie wird sich die Situation wohl entwickeln,
wenn diese Generation mal in den Ruhestand geht und sich die im Moment
aufstrebenden Youngsters der restlichen Länder weiterentwickeln und an
Erfahrung gewinnen? Da wir leider nicht in die Zukunft blicken können, bleibt
uns wohl nichts anderes übrig, als abzuwarten und zu schauen. Es ist auf jeden
Fall zu hoffen, dass China bald wieder etwas mehr Konkurrenz bekommen wird.
Die Metropole
Yokohama hat sich definitiv als würdiger Austragungsort der Weltmeisterschaften
2009 gezeigt und den Grossteil aller Schwierigkeiten mit Bravour bewältigt.
Sicherlich gibt es den einen oder anderen Punkt, welchen man noch hätte besser
machen können, aber bei welchem Grossanlass ist das schon nicht der Fall. In
dieser Woche konnten viele spannende und hochstehende Spiele betrachtet werden.
Auch die Zuschauer strömten zum Teil in grossen Heerscharen in die Halle um vor
allem „ihre Spieler“ betrachten zu können. So konnten zu Bestzeiten bis zu
10'000 Zuschauer gezählt werden, was natürlich mehr als nur erfreulich ist,
speziell wenn man noch die leeren Ränge in Zagreb in Erinnerung hatte. Aber
nicht nur tischtennismässig hatte Yokohama viel zu bieten. Auch vom kulturellen
Aspekt her ist die Hafen-Stadt durchaus einen Besuch wert. Es bleibt zu hoffen,
dass auch die kommenden Mannschafts-Weltmeisterschaften 2010 in Russland ein
ähnlich grosses Zuschauerinteresse wecken können und der Ablauf ebenso
reibungslos vonstatten geht wie in diesem Jahr.