concordia.chgubler.chdonic.de swiss.com

altermatt_rz_34.jpg

Coming Up

05. Februar
Ranglistenturnier Nachwuchs, Final (Veyrier)

07. Februar
Superliga Damen: TTC Neuhausen - SC Budaörsi

Server updates

03.02.2012
02.02.2012
01.02.2012

SIDESPIN

Newsletter
Abwehrspieler Drucken E-Mail

Akos Maklari Die Abwehrspieler im Wandel der Zeit

Alle Zuschauer lieben sie, nicht so ihre Gegner. Respektiert werden sie aber von jedermann: die Abwehrspieler. Wie ist es um ihre Zukunft bestellt?


Text teilweise der Zeitschrift „tischtennis" entnommen, mit freundlicher Genehmigung des Philippka-Sportverlags, Münster, Deutschland



Die märchenhafte Geschichte begann 1954. Damals kratzte ein 13-jähriger Junge sein Geld zusammen und erfüllte sich seinen grossen Wunsch: Er kaufte sich seinen ersten Tischtennisschläger, Modell Bengt Grieve. "Der hat damals 9,90 Mark gekostet und hatte auf beiden Seiten Noppengummi", erinnert sich der Mann heute, 55 Jahre später.

Eberhard Schöler - bester Abwehrspieler der Geschichte

Der Junge hatte Talent für das Spiel, vor allem aber trainierte er unermüdlich. Noch ahnte niemand, dass sein Name eines Tages sehr viel berühmter werden sollte als der des Schweden Bengt Grieve. Doch er wurde zu einer Legende. Bis heute gilt Eberhard Schöler als bester Abwehrspieler in der Geschichte des Tischtennissports.  Er war WM-Dritter im Einzel 1965 in Ljubljana und 1967 in Stockholm, WM-Zweiter 1969 in München. Seit Schölers Glanzzeit erreichte nur noch ein weiterer Verteidiger das WM-Finale - und auch dies erst 34 Jahre später: 2003 in Paris hatte der Südkoreaner Joo Sea Hyuk seinen grossen Auftritt. Joo war und ist ein grosser Hoffnungsträger, einer von nur wenigen allerdings. Weltweit treibt die Fans bis heute die Sorge: Stirbt die Abwehr aus?

Das Material spielt heute eine grosse Rolle, mehr denn je. Abwehrspieler von internationalem Format setzen ausnahmslos auf Kombischläger, mit einem Noppeninnenbelag  auf der Vorhand und langen oder kurzen Noppen auf der Rückhand. "Weshalb", so fragt sich Schöler, "macht sich niemand die Mühe, das beidseitige Abwehrspiel mit zwei Noppeninnenbelägen zu erlernen?"

Schöler weiss, wovon er spricht. Er hat selbst so gespielt, wenn auch erst ab 1972. Nach den Weltmeisterschaften 1959 in Dortmund, die eine Regeländerung zugunsten der bis dahin verbotenen Schaumgummibeläge brachten, fing Schöler an, mit einem Noppeninnenbelag zu spielen. Schöler behielt allerdings seinen Noppengummi auf der Rückhand. Mehr als zehn Jahre lang mit grossem Erfolg, doch irgendwann, so erinnert er sich, "hatten sich die Leute auf das Noppengummi eingestellt. Wenn mir einer dann konsequent in die Rückhand gespielt hat, konnte er mich da festnageln."

Mit einem Noppeninnenbelag auf der Rückhand konnte er einen besseren Schnittwechsel spielen, "genau wie auf der Vorhand". Natürlich hatte die Sache auch ihren Preis. "Wenn einer Topspins mit viel Rotation gespielt hat, musste ich tief runtergehen. Das geht auf die Knochen."

„Mit der Vorhand geht es doch auch"

Eberhard Schöler verkennt nicht, dass die Zeiten sich gewandelt haben. "Die Beläge, die ich damals gespielt habe, waren relativ dünn, die Kontrolle also einfacher. Und die athletische Ausbildung der Angreifer war nicht so gut wie heute." Er sieht sehr wohl, dass es gegen die extrem schnellen und aggressiven Topspins der heutigen Weltklassespieler äusserst schwierig sein dürfte, beidseitig mit Noppeninnenbelägen abzuwehren. Die Noppen - vor allem lange Noppen - vereinfachen es, mit viel Rotation gezogene Topspins kontrolliert abzuwehren. Und doch hält er es für einen Versuch wert, ein variantenreicheres Abwehrspiel zu praktizieren. Und wenn die Kontrolle der gegnerischen Topspins mit einem Noppeninnenbelag so schwierig sein soll, so fragt er, "warum können die Abwehrspieler dann mit der Vorhand drunter gehen?" Das müsste doch auch mit der Rückhand möglich sein.

Die universell richtige Lösung gibt es gewiss nicht, schon gar nicht für Abwehrspieler, die ausgeprägte Individualisten sind. Schöler selbst hat es Anfang der 60er Jahre mit kurzen Noppen versucht, befand aber, aufgrund seiner kurzen Bewegungen könne er damit nicht genügend Variationen erzeugen. Auch lange Noppen hat er mal gespielt. „Aber nur zwei oder drei Wochen, dann habe ich die Idee verworfen.

Sieben Abwehrspieler in den Top 100

Die Abwehrspieler der Zukunft jedoch -da sind sich alle einig- werden viele Waffen brauchen. Sie müssen so variantenreich agieren wie nur möglich, und wäre das nicht am ehesten mit zwei Noppeninnenbelägen machbar? Denkbar wäre auch eine Mischung, die es so noch nicht gegeben hat: eine Symbiose aus Schnitt- und Ballonabwehr auf höchstem Niveau. Auch der vermehrte Einsatz von Abwehrbällen mit stärkerer seitlicher Rotation bietet noch Entwicklungspotenzial. Gefragt ist vor allem Variantenreichtum. Ob Regeländerungen den Verteidigern massgeblich helfen würden, ist indes zu bezweifeln. "Um das herauszufinden, müsste man wirklich wissenschaftliche Untersuchungen durchführen", sagt Schöler. Eines jedoch war für ihn schon vorher klar: "Der 40-mm-Ball ist nicht genug, man hätte einen noch grösseren nehmen müssen." Als Vizepräsident der ETTU und Mitglied im Board of Directors des Weltverbandes ITTF war er schon frühzeitig mit Untersuchungen vertraut, aus denen hervorging, "dass die 12 oder 15 Prozent durch grössere Athletik und schnellere Beläge ausgeglichen werden".

Helfen könnte den Verteidigern vermutlich eine drastische Reduzierung der Belagstärke. Doch ist dies notwendig? Ein Blick auf die Weltrangliste (Stand Dezember 2009) zeigt, dass es nicht so schlecht um die Abwehrspieler bestellt ist. Immerhin sieben Abwehrspieler sind in den Top 100 vertreten. Es gibt durchaus noch Weltklasse-Verteidiger, und weil es nicht mehr so viele sind, tun sich so manche Angreifer mittlerweile schwer gegen sie.

Der aktuell beste „klassische“ Verteidiger auf Schweizer Boden ist übrigens Akos Maklari, vom CTT Forward-Morges. Er hat in Nationalliga A 11 von 19 Spielen gewonnen und damit eine Siegesbilanz von 57,9 Prozent. Der beste „moderne“ Verteidiger in der Schweiz ist Li Jian, der beim TTC Neuhausen spielt. Er ist einer, der die Vorhand  oft offensiv spielt (gegen-Topspin), auf der Rückhand allerdings verteidigt.


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 11. Februar 2010 )