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Harimoto Tomokazu

harimoto 1Ein Wunderkind fordert China heraus

Japan hat eine Tradition der Wunderkinder. Da war Jun Mizutani, aktuelle Weltnummer 13, bereits als 16-jähriger in den Top 100 der Welt. 

Seine goldene Hand liess Japan lange von einem grossen Titel träumen. Dann Kenta Matsudaira, 2006 als 15-jähriger zum Jugend-Weltmeister gekrönt. Danach folgte Koki Niwa, als 11-jähriger bereits in Japans U18-Auswahl, und mit 16 Jahren mehrfacher U21-Sieger auf der World Tour. Und nun - Tomakazu Harimoto.

 

Text: Thomas Neuenschwander / Foto: ITTF

 

Ballgefühl überragend, Durchschlagskraft ungenügend


Eines ist diesen hochtalentierten Spielern gemeinsam: Das bei ihren varianten- und fintenreichen Schlägen aufblitzende aussergewöhnliche Ballgefühl, kombiniert mit einer hohen Ballsicherheit. Dies reicht aus, um die meisten Gegner in Schach zu halten. Nur eben nicht für die absolute Weltspitze: China. Zu kompromisslos attackieren die chinesischen Asse jeden Ball, der ein bisschen zu hoch, zu unplatziert und vor allem zu langsam aufspringt. Gefühlvolle Zauberschläge beeindrucken sie wenig. Um dem chinesischen Tempotischtennis Paroli zu bieten, fehlte Japans Wunderkindern bis jetzt die Schlaghärte. Dass mit „weichen“ Schlägen – und seien es noch so platzierte – gegen Ma Long und Co. nichts auszurichten ist, weiss etwa Mizutani zur Genüge: Gegen die „grossen Vier“ Ma Long, Zhang Jike, Fan Zhendong und Xu Xin steht seine Bilanz gemäss ITTF-Statistik bei 31 Niederlagen zu einem Sieg (Xu Xin)!

 

Harimotos Geschwindigkeit überfordert selbst China


Eine mögliche Strategie gegen die Chinesen: Die Bälle sehr früh und hart spielen, um die gegnerische Reaktionszeit zu verkürzen. Das Tempo des Kontrahenten wird dabei zum eigenen Vorteil übernommen. Dieses Spielsystem verkörpert Tomokazu Harimoto. Vor dreieinhalb Jahren sorgte der heute 15-jährige Japaner erstmals mit Siegen gegen zwei Top100 Spieler international für Aufsehen. Der vorläufige Höhepunkt: Sein Titelgewinn am Japan Open im vergangenen Juni – nach Siegen gegen die Welt- und Olympiasieger Ma Long und Zhang Jike. Gerade Ma Long, den zurzeit besten Spieler der Welt, hatten Insider noch ausser Reichweite Harimotos eingeschätzt. Dass Tomokazu Harimoto zuvor im Achtelfinal mit Zhou Yu noch einen dritten Chinesen aus dem Turnier geworfen hatte, ist daneben nur eine Fussnote. Auffällig: Immer wieder erwischte der Youngster mit seinen schnellen Bällen und extremen Winkeln die chinesischen Stars – die gewöhnlich nahezu perfekt zum Ball stehen – auf dem falschen Fuss. Zhang Jike gab nach dem verlorenen Finalspiel unverhohlen zu, dass ihn das Tempo von Harimoto überforderte. Nur dank seiner überragenden Antizipation und Reaktionsschnelligkeit, kann Harimoto die Bälle derart früh spielen.

 

Mizutanis Prognose

 

Dass Tomokazu Harimoto so früh in die Weltspitze vorgestossen ist, hat neben Talent viel mit Trainingsfleiss zu tun. Der am Tisch sehr emotionale Harimoto – Punktgewinne feiert er oft mit einem lauten Schrei – soll bereits im Alter von zwei Jahren mit Tischtennis angefangen haben. Nach Harimotos Krönung zum jüngsten japanischen Meister aller Zeiten im Januar, verlautete der unterlegene Seriensieger Mizutani: „Ich habe gegen so viele chinesische Spieler gespielt und denke, dass Harimoto auf dem gleichen Level spielt. Wenn er heute in Normalform gespielt hat, werde ich nie wieder gegen ihn gewinnen.“ «Altersrekorde» sammelt Tomokazu Harimoto schon seit Jahren, unter anderem ist er jüngster Gewinner eines World Tour Turniers bei der Elite (Czech Open 2017) und beim U21 (Japan Open 2016).

 

Tokio 2020 als Krönung?

 

Harimoto GO2018 2

Nirgends ist das Wissen über Tischtennis so geballt und detailreich wie in China. Nirgends wird das gegnerische Spiel so akribisch unter die Lupe genommen, bis mögliche Schwachstelle gefunden sind. Doch das Reich der Mitte hat seinen Denker und Lenker vor einem Jahr verloren: Liu Guoliang musste seinen Posten als Cheftrainer aufgeben – wohl aufgrund von politischen Machtkämpfen. Danach schienen Chinas Stars unbekannte Schwächen zu befallen. Das zeigte sich im vergangenen Herbst an den Niederlagen von Ma Long gegen Timo Boll und Fan Zhendong gegen Dimitrij Ovtcharov. Überraschend auch die Siege des schwedischen Nachwuchstalentes Truls Moregardh gegen zwei Chinesen an der Jugend-WM. Und jetzt eben Harimoto am Japan Open.

 

Richtig schmerzhaft sind für China aber nur Titelverluste an grossen Turnieren wie WM oder Olympia. Und bereits an der WM im Frühling war die Dominanz des Branchenleaders wieder gefestigt. Die Bedrohung durch Harimoto wächst aber unerwartet rasch. Die grosse Frage ist deshalb: Kann China schnell genug Antworten auf ihn entwickeln? Denn 2020 finden die Olympischen Spiele in Japan statt. Bereits 2014 hat Harimoto selbstbewusst sein Ziel formuliert: Gold.

 

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