Rückblick auf die Winterversammlungen

Auf den administrativ intensiven Herbst folgte ein ebenso ereignisreicher Winter: Mit dem Sportparlament von Swiss Olympic, dem zweiten Teil des ITTF Annual General Meeting und der STTL-Kammer standen gleich mehrere wichtige Termine auf der Agenda der STT-Geschäftsführerin Monica Midali.

 

Liebe Monica, wie bereits in einem vorgängigen Artikel erwähnt, fanden in den letzten Monaten von 2026 noch diverse Versammlungen statt. Was waren die für dich oder für STT Highlights dieser Anlässe? 

Es gibt Versammlungen, wo die „ordentliche Verwaltung“ dominiert und etwa die Genehmigungen der Jahresberichte oder Jahresrechnung viel Platz einnehmen, während es andere Versammlungen gibt, deren Ausgang die Zukunft massgeblich beeinflussen kann. In diesem Fall gab es in alledrei Versammlungen wichtige Schlüsselmomente für den Sport. Was wohl am meisten Auswirkungen auf das Schweizer Tischtennis haben könnte, war die Abstimmung im Sportparlament zur Unterstützung des Projekts der Europäischen Multisport-Sommermeisterschaften 2030 in der Schweiz, wo Tischtennis zu den 11 vorgeschlagenen Disziplinen gehört. 

Das Sportparlement und das ITTG-AGM fanden innert zweier Tage statt – inwiefern war diese konzentrierte Belastung bemerkbar und wie lange dauerten diese Sitzungen?

Das Sportparlament fand in Präsenz in Ittigen statt und dauerte mit Präsentationen, Abstimmungen und Diskussionen rund fünf Stunden. Bei dem ITTF-AGM handelte es sich hingegen lediglich um den Abschluss der im Mai in Doha abgehaltenen Versammlung, die aufgrund der Unruhen vor der Wahl der Vizepräsidenten unterbrochen worden war. Auch wenn das ITTF-Wahlverfahren recht komplex ist und mehrere Wahlgänge notwendig waren, konnte die Versammlung in weniger als zwei Stunden abgeschlossen werden. Der eigentliche Aufwand liegt jedoch nicht in der Versammlung an sich, sondern in der Vorbereitung. Wären es tatsächlich zwei komplette Versammlungen an aufeinanderfolgenden Tagen gewesen, wäre dies sehr anspruchsvoll gewesen: Die vor den Abstimmungen zu analysierende Dokumente sind jeweils sehr umfangreich und etwa die ITTF stellt für jede Versammlung Unterlagen von rund 80 Seiten zur Verfügung. Ausserdem gibt es zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten, über die man sich vorgängig stets informieren muss. Bei Swiss Olympic kamen zudem die Statutenrevision sowie die mögliche Aufnahme von Swiss Padel als Sportverband hinzu. Dieser Punkt führte in den Tagen davor zu zusätzlichen Vorbereitungssitzungen, da es zu einer Auseinandersetzung zwischen Swiss Padel und Swiss Tennis gekommen war.

An die ITTF richtete STT die Bitte, die verbindlichen Termine (Top16 und Schweizer Meisterschaften Elite) früher festzulegen. Wie ist der Stand in dieser Thematik?

Dies war kein direktes Thema des zweiten Teils der AGM. Der Zentralvorstand hatte einen Wortbeitrag vorbereitet, den Freddy Oswald in Doha unter dem Traktandum „Verschiedenes“ vortragen sollte. Nach dem Abbruch der Versammlung im Mai haben wir jedoch entschieden, nicht bis November zu warten, sondern unsere Anliegen direkt an die für den Kalender zuständige Person heranzutragen. Die ITTF legt als internationaler Verband auch die Termine der nationalen Meisterschaften (in unserem Fall die Schweizer Meisterschaft Elite), der verschiedenen Weltmeisterschaften sowie des Top 16 in Montreux fest. Eine Massnahme mit sehr grossem Nutzen wäre daher, dass diese Termine mit deutlich grösserem Vorlauf festgelegt würden. Dies würde es Ländern wie der Schweiz, in denen Turnhallen rar sind und oft Jahre im Voraus reserviert werden müssen, ermöglichen, mit einer gewissen Planungssicherheit zu arbeiten. Nach sechs Monaten stellen wir fest, dass dieses Anliegen nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Deshalb werden wir am nächsten AGM eine Änderung des internationalen Sportreglements beantragen, um die ITTF zu verpflichten, die Termine früher festzulegen. Auf diese Weise könnte auch der STT-Kalender deutlich früher erstellt werden. Diese Massnahme würde keine Kosten verursachen, hätte jedoch für viele Nationen einen enormen Nutzen.

Im Zentrum der Versammlung stand jedoch die Wahl des restlichen Vorstands. Die Wahl des Präsidiums war knapp ausgefallen und hatte zu einer Spaltung geführt, wobei Petra Sörling mit nur wenigen Stimmen Vorsprung gewonnen hatte. Die Bedeutung der Vorstandswahlen war daher besonders gross: Ein vergleichbar knappes Resultat hätte die Leitung der ITTF in den kommenden vier Jahren vor grosse Herausforderungen gestellt. Die Versammlung wählte schliesslich einen Vorstand, der beide Geschlechter sowie die verschiedenen Kontinente repräsentiert und der weitgehend der von STT unterstützten Kandidatenliste entspricht.

Wie erwähnt waren am Sportparlament von Swiss Olympic die European Championships 2030 ein gewichtiges Traktandum. Dabei ist Tischtennis eine der 11 vertretenen Sportarten. Was bedeuten die EC 2030 für Swiss Table Tennis?

Als beteiligte Sportart liegt der erste Vorteil in einer starken Sichtbarkeit in den nationalen Medien. Wir wissen, dass die Begeisterung rund um Grossanlässe ein sehr starker Motivationsfaktor ist und es uns ermöglichen würde, während mehrerer Tage einen privilegierten Platz in der Presse einzunehmen. Noch besser wäre es, diesen Zeitpunkt mit einer wettbewerbsfähigen Mannschaft zu erreichen, die vor heimischem Publikum eine gute Platzierung erzielen könnte. Auf organisatorischer und logistischer Ebene werden wir hingegen nicht stark eingebunden sein: STT wird Teil des Trägervereins sein, die Veranstaltung selbst wird jedoch von einem professionellen Organisationsteam durchgeführt. Dieser Enthusiasmus muss jedoch noch eine Zeit lang gedämpft werden: Die Zustimmung des Sportparlaments bedeutet nicht automatisch, dass die Veranstaltungen der Schweiz zugesprochen werden. Zunächst sind noch verschiedene interne Schritte (Finanzierung) sowie externe Prozesse (Vergabe) zu berücksichtigen, auch wenn der internationale Wettbewerb glücklicherweise weniger hart ist als bei den Olympischen Spielen.

Am Sportparlament wurde zudem auf das Verbandsfördermodell eingegangen – was ändert sich für die nationalen Sportverbände?

Das Thema wird immer wieder am Rande angesprochen, da es sich um ein Projekt in kontinuierlicher Weiterentwicklung handelt. Das vor fast zwei Jahren gestartete Projekt sieht vor, das bisherige Klassierungssystem der Verbände definitiv abzuschaffen und stattdessen zunehmend auch die grundlegenden Aufgaben der Verbände zu berücksichtigen (Organisation des Breitensports, administrative Führung, Kommunikation usw.). In den Wochen nach dem Sportparlament wurde der erste Entwurf des neuen Systems veröffentlicht, der mehrere objektive Kriterien enthält – im Gegensatz zum bisherigen System, bei dem viele Kriterien nicht klar bewertbar waren. STT verfolgt dieses System seit Monaten aufmerksam, um Innovationen und Projekte entsprechend priorisieren zu können.

Am 5. Dezember schliesslich fand die STTL-Kammer statt, wo Vertretungen der Clubs der höchsten Schweizer Liga teilnahmen. Was waren dabei zentrale diskutierte Punkte?

Wie immer standen auch hier die Traktanden der ordentlichen Geschäfte im Vordergrund (etwa die Genehmigung der Jahresrechnung, des Vorstandsberichts oder die Wahl des Präsidenten). Neben diesen gewohnten Traktanden gab es jedoch insbesondere zwei zentrale Punkte: die Klärung der Verfahren für den Aufstieg der Mannschaften in die STTL und deren administrative Überprüfung sowie eine eingehende Diskussion das Spielsystem betreffend.  Was die Verfahren und Kriterien betrifft, wurden der Ablauf und die Fristen präzisiert und bereits den STTL- und NLB-Mannschaften kommuniziert. Die Spielsystemdiskussionen wurden hingegen vertagt, da im Hinblick auf eine mögliche Wiederaufnahme des Streaming-Projekts zunächst Klarheit über die Rahmenbedingungen geschaffen werden soll.

Neben diesen Veranstaltungen wurde im November und Dezember zudem die Geschäftsstelle reorganisiert. Wie ist STT nun aufgestellt und was hat sich geändert?

In den letzten Jahren sind verschiedene Schwachstellen in der Kommunikation deutlich geworden, insbesondere die Schwierigkeit, Veranstaltungen abzudecken, die in gewissen Phasen des Jahres an sieben Tagen pro Woche stattfinden. Aus diesem Grund wurde die Kommunikation in zwei Bereiche aufgeteilt. Die strategische Verantwortung, die Planung sowie ein Teil der redaktionellen Beiträge wurden Sebastian Lauener übertragen. Er ist in zahlreiche Projekte auf Stufe STT und Geschäftsstelle eingebunden und verfügt als Protokollführer der ZV-Sitzungen häufig über Informationen aus erster Hand. Für die Wochenendanlässe sowie für Stellvertretungen während Ferienzeiten wurde hingegen ein Teil des Stellenprozentsatzes Lionel Weber neu zugeteilt, der als externer Redaktor tätig sein wird. Auf diese Weise erhoffen wir uns eine höhere Aktualität, beispielsweise durch die Veröffentlichung der STTL-Wochenendberichte bereits am Sonntagabend. 

Der technische Bereich der Betreuung und Wartung der Website wurde Doruk Tan Özturk, dem Entwickler von TT-Stats, übertragen. Ausserdem hat Sebastian Lauener die Verantwortung für die Breitensportanlässe für Kinder (Suisse Junior Challenge und Gubler School Trophy) übernommen. In der Folge hat er auf die Betreuung der STTL und der Nationalliga verzichtet, die nach zwei Jahren an Salim Karam, einen Spieler der NLB, übergehen. Diese neue Konstellation, die das Vollzeitäquivalent von Swiss Table Tennis unverändert lässt, soll den aktuellen Bedürfnissen von STT bestmöglich entsprechen und eine grössere Flexibilität ermöglichen.