Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft hat an der ITTF Team‑Weltmeisterschaft 2026 in London für eine Überraschung gesorgt. In einem über zweieinhalbstündigen Krimi setzte sich das Team mit 3:2 gegen Chile durch und sicherte sich damit unerwartet den Einzug in die nächste Turnierphase.
Text: Sebastian Lauener / Fotos: WTT
Den Auftakt aus Schweizer Sicht bestritt neuerlich Fanny Doutaz (WR 723) gegen die klar höher klassierte Daniela Ortega (WR 105). Die Genferin fand nur schwer ins Spiel und musste den ersten Satz mit lediglich zwei Punkten abgeben. Im zweiten Durchgang steigerte sie sich deutlich, kämpfte sich nach 2:6‑Rückstand zurück und zwang Ortega bis zum 9:9. Die entscheidenden Punkte gingen jedoch an die Chilenin, die schliesslich auch den dritten Satz souverän gewann und damit Chile die 1:0-Führung sicherte.
Im zweiten Match traf Rachel Moret (WR 143) auf Sofia Vega (WR 271) und brachte die Schweiz zurück ins Spiel. Zwar erwischte Vega den besseren Start, doch die Waadtländerin bewies Nervenstärke, drehte den ersten Satz und entschied ihn mit 11:9 für sich. Nachdem sie den Satzausgleich hinnehmen musste, steigerte sich Moret erneut, agierte zunehmend variabler und dominierte die entscheidenden Phasen der Partie. Mit einem klaren 11:5 im dritten und dem 11:7 im vierten Satz stellte sie auf 1:1 im Gesamtscore.
Im dritten Einzel kam es zum Generationenduell zwischen Michelle Wu, Jahrgang 2013, und der chilenischen Olympiateilnehmerin Zhiying Zeng (WR 154), Jahrgang 1966. Wu präsentierte sich im ersten Satz spritzig und brachte gegen die Verteidigungsspielerin den grossen Vorsprung letztlich mit 11:7 ins Trockene. Zeng reagierte aber und übernahm zunehmend die Kontrolle über das Spiel. Trotz eines nochmals stabileren Starts im vierten Satz von Wu kippte das Momentum zur Chilenin, die ihre Routine ausspielte und Chile mit drei deutlichen Sätzen 2:1 in Führung brachte.
Die Schweiz blieb jedoch dank Rachel Morets starkem Auftritt gegen Daniela Ortega im Spiel. Moret entschied den ersten Satz für sich, musste den zweiten abgeben, übernahm im dritten aber neuerlich klar das Kommando. Der vierte Satz entwickelte sich zum Nervenkrimi: Nach mehreren Matchbällen und langen Ballwechseln behielt Moret knapp die Nase vorne und setzte sich schliesslich mit 14:12 durch. Der Ausgleich zum 2:2 war Realität.
Die Entscheidung fiel damit im fünften Einzel zwischen Fanny Doutaz und Sofia Vega. Doutaz verlor den ersten Satz mit 6:11 relativ klar, kämpfte sich aber mit mutigem Spiel zurück. Mit einem knappen 11:9 konnte Doutaz den Satzausgleich herstellen und dieser Ablauf wiederholte sich: Der dritte Satz ging 4:11 verloren, und mit dem Rücken zur Wand holte Doutaz den vierten Satz neuerlich mit 11:9. Das war nicht selbstverständlich, da Doutaz nach einem 2:5-Rückstand ihr Timeout nehmen musste. Dieses hatte denn die gewünschte Wirkung und die Schweizerin drehte den Rückstand in eine 7:5-Führung, die sie über die Zeit retten konnte. Der Start in den fünften Durchgang schliesslich gelang der jungen Genferin aber definitiv besser und sie konnte mit einer 5:2-Führung die Seite wechseln. Danke weiterem konsequenten Angriffsspiel konnte Doutaz den Vorsprung ausbauen und verwertete schliesslich den entscheidenden Matchball zum 11:6.
Nach über zweieinhalb Stunden stand der 3:2‑Sieg für die Schweiz somit fest – ein Erfolg, der so nicht zu erwarten war und den Einzug in die nächste Runde sicherte. Bereits am Abend wartet die nächste Herausforderung in der Preliminary Round.

