Schweizermeisterschaften Nachwuchs 2026

An den Schweizermeisterschaften Nachwuchs gab es dieses Wochenende mehrere Überraschungssiege, einige souveräne Triumphe der Favoritinnen und Favoriten und ganz viele Emotionen. Am Samstag setze sich bei den Jüngsten sensationell Leonard La Spada durch, während am Sonntag bei den Ältesten Noe Keusch das Triple holte. Bei den Mädchen siegten in den jüngeren Kategorien die Favoritinnen, während bei den Älteren Akhyata Patra und Livia Generowicz alle Schwierigkeiten überwanden.

Text: Lionel Weber / Fotos Samstag, Fotos Sonntag: René Zwald / Alle Resultate

U11: Hu mit dem Triple, La Spada gelingt die Überraschung 

Bei den Jüngsten schaffte Elina Hu das Triple und wurde zum ersten Mal Schweizer Meisterin im Einzel. Im Finale wurde sie von Celeste Matter gefordert, die phasenweise gut mithalten konnte, sich schlussendlich aber mit 0:3 geschlagen geben musste. Im Halbfinale hatte sich Matter in einem tollen Spiel gegen Elodie Hu durchgesetzt. Im Finale konnte sich Elina Hu dann für ihre Schwester revanchieren. Ebenfalls ins Halbfinale schaffte es Aurélia Barke aus Lausanne. 

Bei den Knaben gelang Leonard La Spada ein Exploit. Als Nummer 7 der Setzliste schaltete er reihenweise Favoriten aus und gewann nacheinander gegen die Nummern 2, 3 und 1 der Setzliste. Im Finale setzte sich La Spada auch gegen Titelfavorit Adrian Feret mit 3:1 durch. Er liess sich dabei auch nicht davon verunsichern, dass er im ersten Satz eine 10:6-Führung noch aus der Hand gab. Feret spielte mit viel Übersicht, doch La Spada hielt mit grossemKampfwillen dagegen und brachte etliche unerreichbar scheinende Bälle noch zurück. Die weiteren Medaillen gingen an Luis Miguel Velarde Figari und Kelian Morandi. 

Feret kann sich damit trösten, das Mixed-Doppel an der Seite von Elina Hu gewonnen zu haben. Die beiden waren in all ihren Spielen deutlich überlegen. Im Finale schlugen sie das Ostermundiger Duo Celeste Matter und Noah Milcu mit 3:0. Das Finale des Knaben-Doppels war eine Genfer Angelegenheit: Velarde Figari und Jules Schneider von UGS-Chênois gewannen in einem knappen Spiel gegen Noah Correa und Henri-Alexandre Streuli aus Meyrin. Nachdem das Duo von UGS zunächst mit 2:0 in Führung gegangen war, konnten Correa/Streuli den dritten Satz gewinnen. Im vierten Satz ging das Doppel aus Meyrin schnell in Führung, und es sah bereits so aus, als würde das Momentum endgültig kippen. Doch UGS bewies Kampfgeist, drehte den Satz noch und sicherte sich unter grossem Jubel den Titel. Das Mädchen-Doppel fand aufgrund zu weniger Teilnehmerinnen nicht statt und die Mädchen traten in der U13-Kategorie an. 

Elina Hu und Emily Wu

U13: Wu zeigt Nervenstärke, Lancy dominiert bei den Knaben 

Bei den Knaben dominierte ZZ-Lancy die Kategorie U13: Drei von vier Halbfinalteilnehmern stammten aus der Trainingsakademie des Genfer Vereins, und das Finale wurde zum clubinternen Duell zwischen Timéo Raimbaud und Wai-Lam Trinh. Die beiden Nachwuchstalente lieferten sich zahlreiche lange Ballwechsel, die zunächst vermehrt an Raimbaud und später zunehmend an Trinh gingen. Raimbaud vergab eine 2:0-Führung und im vierten Satz auch noch einen Matchball. Im Entscheidungssatz konnte er jedoch nochmals zulegen, schnell mit 4:0 in Führung gehen und schliesslich mit 11:5 gewinnen. Bereits im Halbfinale hatte Raimbaud mit Alexy Weber einen Teamkollegen geschlagen, während Trinh Clément Rapoula aus Chaux-de-Fonds ausgeschaltet hatte. 

„Es war toll, im Finale gegen meinen Teamkollegen zu spielen, da dies etwas weniger stressig ist. Im vierten Satz wollte ich das Spiel unbedingt beenden, habe den Matchball aber vergeben. Im fünften Satz habe ich nochmals richtig gekämpft und ich bin stolz darauf, wie ich heute gespielt habe.“ – Timéo Raimbaud 

In der Mädchenkategorie kam Emily Wu unverhofft die Favoritinnenrolle zu, da Michelle Wu und Enya Hu länger als geplant an der Team-WM in London sind. Wu nutzte die Gelegenheit und holte nach ihrem letztjährigen U11-Titel auch den Sieg in der älteren Kategorie. Im Finale traf sie auf Kimmy Egli von Rapid Luzern, die im Halbfinale ein knappes Spiel gegen Yuling Li gewonnen hatte. Egli legte stark vor, während Wu zu Beginn noch etwas nervös wirkte. Ein gut getimtes Time-out beim Stand von 0:1 und 2:4 reichte jedoch, um das Spiel zu wenden. In den Sätzen drei und vier zeigte Wu dann ihre Klasse mit offensivem Spiel und guten Platzierungen. Amélie Ly Qing Tan aus Lausanne erreichte ebenfalls das Podest, nachdem sie der späteren Siegerin im Halbfinale unterlegen war. 

„Nach dem Time-out habe ich mir vorgenommen, selbst mehr anzugreifen und mich über Punktverluste nicht zu sehr zu ärgern. Das ist mir heute nicht so leicht gefallen, aber ich freue mich, dass ich das Spiel noch drehen und den Titel gewinnen konnte.“ – Emily Wu 

Die Doppelkategorie der Mädchen wurde zur klaren Beute von Emily Wu und Elina Hu. Das eingespielte Paar geriet kaum in Bedrängnis und setzte sich im Finale gegen Celeste Matter und Sylvia Beauvais aus Ostermundigen durch. Dasselbe gilt für das Knabendoppel von Timéo Raimbaud und Wai-Lam Trinh: Die beiden gaben im gesamten Turnier keinen Satz ab, auch nicht im Finale gegen Livio Antonielli und Khean Buchweitz. Antonielli bewies seine Doppelqualitäten zudem mit dem Finaleinzug im Mixed-Doppel. Im Gegensatz zum Knabendoppel konnte er dieses an der Seite von Triplegewinnerin Emily Wu für sich entscheiden. Im Finale besiegten sie das Innerschweizer Duo Kimmy Egli und Jann Probst klar in drei Sätzen. 

Timéo Raimbaud

U15: Loustalot gelingt Revanche, Ulrich erneut zu stark 

Bereits im Halbfinale kam es zum mit Spannung erwarteten Duell zwischen Arthur Loustalot und Silas Stalder. Loustalot konnte sich dabei für die Niederlage beim Top 8 revanchieren und setzte sich in einem Fünfsatzkrimi durch, der von zahlreichen Führungs- und Momentumwechseln geprägt war. Im Finale trat der Genfer dann souverän auf und konnte seine Erfahrung gegen den aufstrebenden Balthazar Porritt ausspielen. Porritt unterstrich mit dem Finaleinzug seine beeindruckenden Fortschritte, nachdem er noch im Dezember die Qualifikation für die Top 16 verpasst hatte. Im Halbfinale bewies er gegen Aidan Amstad Nervenstärke, insbesondere in der Verlängerung des wegweisenden dritten Satzes. 

Bei den Mädchen wurde Ilvi Ulrich ihrer Favoritinnenrolle erneut gerecht und musste im gesamten Turnierverlauf nur einen Satz abgeben. Im Finale wurde sie von Lin Yun Wei gefordert, doch beim Stand von 1:1 konnte Ulrich nochmals zulegen und das Spiel letztlich klar für sich entscheiden. Eines der spektakulärsten Spiele des Tages war das Halbfinale zwischen Lin Yun Wei und Julia Gajewska, das Wei mit 11:9 im Entscheidungssatz gewann. Die beiden Nachwuchsspielerinnen schenkten sich über fünf ausgeglichene Sätze hinweg nichts und lieferten sich zahlreiche lange Ballwechsel auf höchstem Tempo. Auch Tasnim Jaber konnte mit dem Halbfinaleinzug einen Erfolg feiern, unterlag dort jedoch Ulrich in drei Sätzen, die ihre Dominanz in der Kategorie U15 unterstrich. 

Ulrich gewann auch die Mixed-Kategorie an der Seite von Balthazar Porritt relativ souverän. Im Finale trafen sie auf das Duo Yuling Li und Xiaotong Lai, das zuvor die Setzliste durcheinandergebracht hatte, indem es im Viertel- und Halbfinale besser klassierte Gegner in knappen Spielen ausschaltete. Im Finale waren Ulrich und Porrittjedoch eine Nummer zu stark. 

Auch die U15-Doppelkategorie der Knaben wurde zur Beute von ZZ-Lancy. Loustalot und Charlie Hurtado gaben lediglich im Finale gegen Fynn Ander und Silas Stalder einen Satz ab und blieben ansonsten ohne Satzverlust. Ander und Stalder hatten sich den Finaleinzug hart erkämpfen müssen, da sie bereits in den ersten beiden Runden über fünf Sätze gehen mussten. Bei den Mädchen setzten sich Tasnim Jaber und Lin Yun Wei im Finale gegen Kimmy Egli und Julia Gajewska durch. Jaber und Wei erwischten den besseren Start und gingen rasch mit 2:0 in Führung. Zwar sah es danach aus, als könnten sich Egli und Gajewska zurück kämpfen, doch Jaber/Wei entschieden den vierten Satz knapp für sich und sicherten sich damit den Titel. 

U17 Patra und Simo überraschen in spektakulären Finals – Sensation im Mixed 

Die Finals der U17-Kategorien boten am Sonntag mit Sicherheit die spektakulärsten Partien. Bei den Knaben lag dies einerseits am variantenreichen Spiel von Defensivkünstler und Topfavorit Lowis Vogler, andererseits an Elias-Mate Simo, der wohl das Turnier seiner bisherigen Karriere zeigte. Im Finale drehte Simo einen 0:2 Satzrückstand und insbesondere der fünfte Satz entwickelte sich zu einem physischen Abnützungskampf mit zahlreichen spektakulären Ballwechseln. Am Ende triumphierte Simo und konnte seinen ersten Schweizermeistertitel im Einzel feiern. Bereits beim Top 16 und Top 8 war er mehrfach nahe dran gewesen, hatte jedoch einige knappe Spiele verloren. Nun bewies er, dass er daraus gelernt hat. Im Halbfinale hatte der Berner bereits Titelverteidiger Levi Ulrich überraschend deutlich mit 3:0 ausgeschaltet. Auch Dylan McHugo überzeugte erneut mit konstanten Leistungen bis ins Halbfinale, wo er an Vogler scheiterte. 

„Ich hätte nicht unbedingt gedacht, dass es heute so gut läuft. Von diesem Titel träume ich schon lange, weswegen ich mich sehr freue. Trotz des 0:2 Satzrückstands wusste ich, dass es noch nicht vorbei ist und habe weiterhin an den Sieg geglaubt.“ Elias-Mate Simo 

Elias-Mate Simo

Bei den Mädchen wurde von Beginn an ein Finale zwischen Akhyata Patra und Ruoqi Wei erwartet. Die beiden Topspielerinnen bestätigten die Erwartungen und lieferten sich ein hochklassiges Endspiel. In den bisherigen Duellen hatte sich Wei stets durchsetzen können und auch diesmal ging sie mit 2:1 in Führung und schien das Spiel unter Kontrolle zu haben. Doch Patra gab nicht auf, konnte sich in den Sätzen 4 und 5 steigern und mit gut platzierten Bällen die Wende herbeiführen. 

„Heute habe ich etwas schlauer gespielt als in den bisherigen Duellen mit ihr und konnte die Tipps des Coaches gut umsetzen. Auch das mentale Training in der Vorbereitung hat mir sehr geholfen, mit dem Rückstand gut umzugehen. Zwar habe ich es auch selber gut gemacht heute, aber vor allem auch mein Umfeld hat mich sehr unterstützt und einen grossen Anteil am Sieg.“ – Akhyata Patra 

Die weiteren Podestplätze gingen an Aarna Debnath und Lina Cattini, die mit starken Auftritten in den Gruppenphasen die Basis für die Medaille legen konnten. Cattini überraschte nicht nur im Einzel, sondern sorgte an der Seite ihres Horgener Clubkollegen Andrin Holdener im Mixed sogar für die Sensation des Tages. Als Nummer 5 der Setzliste schlugen sie zuerst die Nummern 2 und 4, bevor sie im Finale auf Akhyata Patra und Levi Ulrich trafen. Das Top-Duo hat rund 900 Elo-Punkte mehr auf dem Konto, doch Cattini und Holdener bewiesen, dass insbesondere im Doppel alles möglich ist. Sie liessen sich nicht beeindrucken und erspielten sich im vierten Satz sechs Matchbälle. Nach drei vergebenen Matchbällen kam bereits etwas Nervosität auf, doch dann war es Cattini, die mit einem perfekt auf die Ecke platzierten Vorhand-Gegentopspin die Sensation perfekt machte.  

Patra gewann dafür an der Seite von Ilvi Ulrich das Doppel der Mädchen. Ulrich schaffte damit ebenfalls das Triple. Die beiden waren ihren Konkurrentinnen überlegen und gewannen auch das Finale gegen Valea Troller und Melina Schuhmayer in drei Sätzen. Bei den Knaben gewannen Dylan McHugo und Yanni Andriani das Finale gegen Noah Karlen und Elias-Mate Simo. Die Genfer mussten zuvor bereits im Viertelfinale einen 1:2 Satzrückstand wettmachen. Danach konnten sie sich steigern und das Halbfinale und Finale jeweils in vier Sätzen für sich entscheiden.   

Andrin Holdener und Lina Cattini

U19: Keusch souverän, Generowicz siegt nach Startschwierigkeiten 

Für Livia Generowicz begann das Turnier in der Gruppenphase mit einer Niederlage gegen Uliana Gerashchenko denkbar schlecht. Sie liess sich davon jedoch nicht beirren und legte in der Hauptrunde einen beeindruckenden Steigerungslauf hin, der im Finale mit einem souveränen Dreisatzsieg gegen Hanaé Hasler seinen Höhepunkt fand. Generowicz musste vor allem im Halbfinale gegen Amira Meier kämpfen, gegen die sie einen 1:2-Satzrückstand noch drehen konnte. Hasler hingegen erreichte das Finale ohne Satzverlust. Auch Uliana Gerashchenko schaffte es als Dritte aufs Podest – dank ihres Sieges in der Gruppenphase gegen Generowicz sowie eines weiteren Fünfsatzsieges im Viertelfinale. 

Bei den Knaben bestätigte Noe Keusch erneut seine Dominanz in der U19 und krönte seine Nachwuchszeit mit dem Triple. Im Einzel gab er im Verlauf des Turniers zwar einige Sätze ab, geriet jedoch nie ernsthaft in Bedrängnis. Deutlich mehr kämpfen musste die Nummer 2 der Setzliste, Severin Scherrer, für den Finaleinzug. Besonders im Viertelfinale stand er gegen Fedor Abalakov im fünften Satz kurz vor dem Aus, ehe der Muttenzer das Spiel noch drehen konnte. Die weiteren Podestplätze gingen an Ben Meier und Andrija Andric. Beide zeigten bis ins Halbfinale starke und souveräne Auftritte, mussten sich dort jedoch jeweils in vier Sätzen geschlagen geben. 

Im Doppel gewannen Keusch und Scherrer ein hart umkämpftes Finale gegen Samuel Durrleman und Luca Marchi. Die Genfer starteten stark und gingen rasch mit 2:0 in Führung. Keusch und Scherrer bewiesen jedoch ihre Klasse, glichen aus und konnten im Entscheidungssatz zunächst davonziehen. Durrleman und Marchi kämpften sich nochmals zurück und erspielten sich sogar mehrere Matchbälle. Diese konnten sie jedoch nicht verwerten, sodass sich am Ende die Favoriten Keusch/Scherrer mit 14:12 durchsetzten. 

Bei den Mädchen waren vor allem die Halbfinalspiele hart umkämpft und gingen jeweils über die volle Distanz. Livia Generowicz und Elodie Buloz setzten sich ebenso durch wie Seraina Rosset und Adèle Burgat. Das Finale war dann eine klarere Angelegenheit: Generowicz und Buloz gewannen in drei Sätzen. Besonders für Generowicz waren es mit zwei Goldmedaillen äusserst erfolgreiche Schweizer Meisterschaften. 

Die Mixed-Kategorie ging erwartungsgemäss an die topgesetzten Ruoqi Wei und Noe Keusch. Die beiden wurden erst im Finale richtig gefordert und setzten sich in fünf Sätzen gegen Severin Scherrer und Adèle Burgat durch. Diese hatten zuvor mehrere besser klassierte Paarungen ausgeschaltet und zeigten auch im Finale eine starke Leistung. Am Ende waren Wei und Keusch jedoch zu stark und entschieden den letzten Satz mit 11:5 für sich. 

„Heute habe ich konzentriert gespielt und mich gut gefühlt. Besonders auf drei Gewinnsätze muss man jederzeit bereit sein, da es sonst schnell brenzlig werden kann. Das ist mir gut gelungen. Im Doppel haben wir es nach dem 0:2 gut geschafft, uns in den Match zurückzukämpfen. Es ist toll, nach vielen Jahren im Doppel mit Severin nochmals diesen Titel zu holen.“ – Noe Keusch 

Livia Generowicz