Bei den WTT-Feeder-Turnieren in Hennebont (Frankreich) und Prishtina (Kosovo) gab es mehrere Schweizer Erfolgsmeldungen. In Frankreich schafften es im Doppel Sam Boccard und Barish Moullet sowie Rachel Moret an der Seite der Französin Jade Huynh aufs Podest. Boccard und Moullet wollen künftig noch stärker auf das Doppel setzen und sich für die WM 2027 qualifizieren. Mauro Schärrer erreichte derweil in Prishtina mit drei starken Siegen die Hauptrunde, nachdem er in Hennebont noch knapp in der Gruppenphase gescheitert war.
Text: Lionel Weber / Fotos: WTT
Hennebont: Boccard/Moullet mit sensationellem Einzug ins Halbfinale
In Hennebont machte die Schweizer Nationalmannschaft hauptsächlich im Doppel auf sich aufmerksam. Barish Moullet und Sam Boccard gelang mit dem Halbfinaleinzug ein Exploit. In der ersten Runde bezwangen sie die an Nummer 4 gesetzten Taiwanesen Hung/Lin gleich mit 3:0. «Wir sind nicht als Favoriten in die Partie gegangen, aber wussten, dass im Doppel alles möglich ist», so Sam Boccard. «Wir wollten offensiv spielen und Spass haben. Wir haben keine komplizierten Sachen gemacht, sondern einfach unser Spiel durchgezogen.»
Nach dem Sieg gegen die beiden Taiwanesen aus den Top 200 der Weltrangliste hatten die Schweizer im anschliessenden Viertelfinale die Favoritenrolle inne. Nach einem Fehlstart im ersten Satz machten sie mit dem Doppel Guignat/Froseth kurzen Prozess. «Wir haben uns etwas unter Druck gesetzt, da wir wussten, dass das Halbfinale nun in Reichweite liegt. Nach einem etwas nervösen Start konnten wir uns aber gut steigern», meinte Boccard.
Im Halbfinale trafen sie anschliessend auf Florian Bourrassaud und Esteban Dorr aus Frankreich und damit auf eines der besten Doppel der Welt. Dementsprechend endete das Turnier für Moullet und Boccard mit einer deutlichen Niederlage. «Wir wussten, dass es nicht einfach wird. Im dritten Satz hatten wir unsere Chancen, aber insgesamt waren sie stärker.»
Die beiden werden in näherer Zukunft des Öfteren international zusammen Doppel spielen. «Das Doppel erhält einen immer höheren Stellenwert im Tischtennis. Unser Ziel ist es, uns im nächsten Jahr für die Weltmeisterschaften in Kasachstan zu qualifizieren. Dazu müssten wir etwa in die Top 100 der Welt vorstossen», so Boccard. Nach dem Erfolg in Frankreich stehen Moullet und Boccard auf Position 146 der Weltrangliste. Mit einigen weiteren guten Resultaten ist eine Platzierung unter den besten 100 also durchaus in Reichweite.

Rachel Moret ebenfalls mit Podestplatz
Auch Rachel Moret konnte über einen Podestplatz im Doppel jubeln. Die Schweizerin trat an der Seite der französischen U19-Spielerin Jade Huynh an. Die beiden spielten zum ersten Mal zusammen auf internationaler Bühne und harmonierten sogleich gut miteinander. Das Achtelfinale und Viertelfinale gewannen sie jeweils mit 3:0, bevor die indische Paarung Ghosh/Kotecha im Halbfinale zu stark war. Eine Woche nach ihrem Halbfinaleinzug in Lagos mit Tin-Tin Ho bewies Rachel erneut, dass sie eine ausgezeichnete Doppelspielerin ist.
Im Einzel war Moret direkt für die Hauptrunde gesetzt, verlor jedoch in der ersten Runde gegen die Französin Cléa De Stoppeleire. Von den Schweizer Männern schaffte es niemand ins Hauptfeld. Barish Moullet, Sam Boccard und Mauro Schärrer scheiterten in der Gruppenphase. Insbesondere Schärrer verpasste den Gruppensieg nach einem Sieg und einer knappen Fünfsatz-Niederlage gegen Nathan Pilard nur ganz knapp. Elias Hardmeier wurde ebenfalls Gruppenzweiter, konnte aber als Lucky Loser in der Zwischenrunde antreten, wo er dem Spanier Carlos Franco mit 1:3 unterlag.

Prishtina: Schärrer qualifiziert sich für Hauptrunde
Im Kosovo traten mit Mauro Schärrer und Timothy Falconnier zwei Schweizer an. Schärrer (WR 1068) gewann seine Gruppe mit Siegen gegen Ondrej Kveton (WR 311) und Elias Sjogren (WR 379). «Ich habe mich insgesamt sehr wohlgefühlt und hatte Spass, wieder einmal auf der internationalen Bühne aufzutreten. Die Atmosphäre ist schon anders als in den Ligaspielen», meinte Schärrer zu seinem Auftritt. Gegen Kveton konnte er einen 1:2 Satzrückstand wettmachen und wehrte fünf Matchbälle in Serie ab, was entscheidend für den Gruppensieg und die Qualifikation für die Zwischenrunde war. «Da hatte ich sicher auch das nötige Wettkampfglück,» bilanzierte Schärrer. In der Zwischenrunde dominierte er das Spiel gegen den Belgier Matt Closset (WR 1225) und qualifizierte sich somit für die Hauptrunde.
Dort traf er auf den Japaner Hiromu Kobayashi (WR 242). Dieser erwies sich als zu stark und Schärrer konnte erst im dritten Satz gut mithalten, den er mit 9:11 verlor. «In der Hauptrunde weht schon noch einmal ein anderer Wind», meinte Schärrer. «Es war aber bereits cool, ins Hauptfeld zu kommen und die zwei Turnieren machten Lust auf mehr.»
Timothy Falconnier gab nach langer Verletzungspause sein Comeback auf internationaler Bühne und spielte zum ersten Mal bei einem WTT-Turnier der Elite. Er wurde Gruppenzweiter und schied damit aus. Mit einem starken Sieg gegen den Slowaken Alexander Valuch (WR 304) kann er sein Debut bei den Erwachsenen aber durchaus als Erfolg verbuchen.

