Drei Achtelfinalistinnen bei den U15-Mädchen, zwei Schweizer unter den letzten 32 der U19-Konkurrenz und mehrere Achtungserfolge in den Doppelwettbewerben: Die Schweizer Delegation durfte bei den Europameisterschaften in Gondomar mit ihrer Gesamtleistung zufrieden sein. Besonders die jüngsten Spielerinnen überzeugten auf internationalem Parkett.
Text: Sebastian Lauener / Fotos: ETTU
U15-Mädchen sorgen für die Schweizer Glanzlichter
Die herausragenden Schweizer Leistungen kamen in Portugal aus der U15-Mädchenkategorie. Ilvi Ulrich (Rapperswil-Jona) gewann ihre Vorrundengruppe souverän, während Enya Hu und Michelle Wu dank ihrer Setzung direkt für die K.o.-Phase qualifiziert waren.
Dort legten sämtliche Schweizerinnen eindrücklich nach. Wu erreichte mit ungefährdeten 4:2- und 4:1-Erfolgen den Achtelfinal, Hu setzte sich ebenfalls zweimal überzeugend mit 4:1 durch. Für die dramatischsten Momente sorgte allerdings Ulrich: Sowohl in der Runde der letzten 64 als auch unter den besten 32 geriet sie mit 2:3 Sätzen in Rückstand, kämpfte sich jedoch jeweils zurück und gewann beide Partien nervenstark mit 4:3. Erst im Achtelfinal war Endstation. Hu unterlag der Französin Albane Rochut mit 2:4, nachdem sie dieselbe Gegnerin an der EM im vergangenen September noch bezwungen hatte. Ulrich musste sich der Russin Daria Kharlova ebenfalls mit 2:4 beugen. Für Wu kam gegen die spätere Finalistin Varvara Tolmacheva das Aus.
Für Nachwuchs-Nationaltrainer Pedro Pelz stellt das Resultat dennoch einen grossen Erfolg dar: Drei Schweizerinnen im Achtelfinal seien ein hervorragendes Ergebnis und in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die Leistung sei deshalb umso höher einzustufen. Einen wichtigen Einfluss auf das Turniergeschehen hatte die russische Delegation, die unter neutraler Flagge startete. Mehrere Spielerinnen waren international bislang kaum in Erscheinung getreten und deshalb in den Setzlisten nur bedingt berücksichtigt worden. Die Dominanz war entsprechend frappant: Gleich drei Russinnen standen später im Halbfinal, insgesamt die Russinnen zur absoluten Spitze der U15-Kategorie.
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Arthur Loustalot hält die Schweizer Fahne bei den U15-Knaben hoch
Bei den U15-Knaben erreichte einzig Arthur Loustalot (ZZ-Lancy) die K.o.-Phase. Der Genfer hatte sich mit zwei Siegen aus drei Gruppenspielen qualifiziert und dabei insbesondere im entscheidenden Direktduell gegen einen dänischen Konkurrenten mit 3:2 die Nerven behalten. Im Hauptfeld unterlag Loustalot anschliessend dem Ukrainer David Drobov mit 2:4. Für die weiteren Schweizer blieb es bei einzelnen Erfolgserlebnissen. Balthazar Porritt (Young Stars ZH) gewann ein Gruppenspiel, während Charlie Hurtado (ZZ-Lancy) sieglos blieb und ebenso wie Porritt die Vorrunde nicht überstand.
Keusch führt U19-Knaben an
Bei den U19-Knaben sorgte die Schweizer Auswahl ebenfalls für erfreuliche Resultate. Noe Keusch war aufgrund seiner Positionierung direkt für die K.o.-Phase gesetzt. Elias-Mate Simo, Lowis Vogler und Levi Ulrich qualifizierten sich über die Gruppenphase für das Haupttableau. Vogler gewann als Verteidigungsspezialist sogar beide Gruppenspiele und sicherte sich den Gruppensieg. Ulrich erreichte mit zwei Erfolgen Rang zwei, während Simo ein Sieg zum Weiterkommen genügte. Lediglich Severin Scherer verpasste die Qualifikation.
In der ersten K.o.-Runde schieden Ulrich (0:4) und Vogler (2:4) aus. Besonders ärgerlich verlief die Niederlage Voglers, der den sechsten Satz denkbar knapp abgeben musste. Besser machten es Simo und Keusch. Beide kämpften sich in packenden Siebensatzspielen mit 4:3 in die Runde der letzten 64. Dort war für Simo gegen den Schweden Adam Wallin Schluss. Die 1:4-Niederlage fiel deutlicher aus, als es der Spielverlauf vermuten lässt, denn die letzten beiden Durchgänge gingen jeweils erst in der Verlängerung verloren. Keusch hingegen bestätigte seine starke Form. Nach verlorenem Startsatz drehte er die Partie gegen den Österreicher Patrick Skerbinz und gewann mit 4:1. Erst im Sechzehntelfinal musste er sich dem Spanier Luca Khidasheli in der Runde der letzten 32 geschlagen geben.
Bittere Vorrunde für die U19-Mädchen
Weniger erfolgreich verlief das Turnier für die Schweizer U19-Spielerinnen. Keine Athletin schaffte den Sprung in die K.o.-Runde.
Besonders unglücklich verlief der Wettbewerb für Akhyata Patra. In ihrer Dreiergruppe verlor sie beide Partien erst im Entscheidungssatz und jeweils mit der Minimaldifferenz von zwei Punkten. Livia Generowicz gewann eines ihrer drei Spiele, Amira Meier schied ebenfalls mit einem Sieg in der Gruppenphase aus. Emma Kühn konnte einzelne Sätze gewinnen, verpasste letztlich aber ebenfalls die Qualifikation für die K.o.-Phase.
Doppel: Hu und Wu schnuppern an einer Medaille
Auch im Doppel sorgten Enya Hu und Michelle Wu für das Schweizer Highlight. Nach einem Freilos und einem hart erkämpften 3:2-Sieg gegen ein ungarisches Duo folgte ein souveräner 3:0-Erfolg und die Qualifikation für das Viertelfinale. Dort war gegen die späteren Finalistinnen aus Deutschland die Qualifikation für das Halbfinale und somit eine Medaille greifbar nahe. Die Schweizerinnen gingen früh in Führung, mussten dann jedoch die Sätze zwei und drei abgeben. Der vierte Durchgang ging mit 11:13 äusserst knapp verloren, womit auch hier das Turnier für die letzten vertretenen Schweizerinnen vorbei war.
Trainer Pedro Pelz sprach rückblickend von einer realistischen Medaillenchance, die zwar ungenutzt blieb, die starke Gesamtleistung des Duos aber keineswegs schmälere.
Bei den übrigen Doppelkonkurrenzen blieben die Schweizer Ergebnisse weitgehend im erwartbaren Rahmen. Sämtliche U15-Knaben unterlagen bereits in der Auftaktpartie und auch im U19 blieb der grosse Exploit aus: Severin Scherer verlor mit seinem zypriotischen Partner zum Auftakt knapp mit 2:3 gegen ein englisches Duo, Elias-Mate Simo und Levi Ulrich starteten mit einem überzeugenden 3:0-Erfolg gegen zwei Schotten, schieden anschliessend aber gegen eine tschechische Paarung mit 1:3 aus. Noe Keusch und Lowis Vogler profitierten zunächst von einem Freilos, gegen die eine Paarung aus Portugal hielten die Schweizer gut mit, mussten sich aber nach mehreren knappen Sätzen mit 1:3 geschlagen geben.
Bei den U19-Mädchen war für beide Schweizer Paarungen früh Endstation. Emma Kühn und Amira Meier unterlagen ebenfalls einem portugiesischen Duo mit 0:3. Akhyata Patra und Livia Generowicz profitierten zwar von einem Freilos, fanden anschliessend gegen zwei Russinnen jedoch kein Mittel und schieden auch mit 0:3 aus.
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Mixed : Achtelfinal als höchstes der Gefühle
Im Mixed-Wettbewerb der U15 sorgte Michelle Wu für das beste Schweizer Resultat. Gemeinsam mit ihrem österreichischen Partner Chen Sung Bing gewann sie drei Partien in Folge und kämpfte sich bis ins Achtelfinale vor. Erst dort erwies sich eine russische Paarung als zu stark. Auch Enya Hu überzeugte an der Seite des Luxemburgers Philip Theisen. Das Duo erreichte die Runde der letzten 32 und behauptete sich damit ebenfalls erfolgreich im internationalen Teilnehmerfeld. Arthur Loustalot und Ilvi Ulrich gelang mit einem 3:1-Erfolg zunächst der Einzug unter die besten 64. In der folgenden Runde fanden sie gegen ihre Gegner jedoch kein Mittel mehr und schieden mit 0:3 aus.
Im U19-Mixed blieb den Schweizer Paarungen ebenfalls der ganz grosse Durchbruch verwehrt. Keine Kombination schaffte den Einzug unter die besten 32. Levi Ulrich und Livia Generowicz sowie Elias-Mate Simo und Akhyata Patra profitierten zunächst von einem Freilos, schieden danach jedoch jeweils mit 0:3 aus. Dasselbe Schicksal ereilte Noe Keusch und Emma Kühn. Am nächsten am Weiterkommen waren Lowis Vogler und seine deutsche Partnerin Lisa-Sophie Wang. Nach einem Freilos lieferten sie sich einen hochspannenden Fünfsätzer, mussten sich aber äusserst unglücklich mit 14:16 im Entscheidungssatz geschlagen geben.
Für den einzigen Schweizer Sieg in dieser Konkurrenz sorgten Severin Scherer und Amira Meier. Das Duo setzte sich zum Auftakt mit 3:1 durch und erreichte damit die Runde der letzten 64. Dort bedeutete eine polnische Paarung Endstation. Trotz der klaren 0:3-Niederlage verliefen die einzelnen Sätze ausgesprochen knapp.
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Positives Gesamtfazit
Unter dem Strich fällt die Schweizer Bilanz in Gondomar erfreulich aus. Drei U15-Mädchen im Achtelfinal sowie die Top-32-Platzierungen von Noe Keusch und Elias-Mate Simo im U19-Einzel übertreffen die Erwartungen. Dass die Medaillenchance im U15-Doppel der Mädchen ungenutzt blieb, ändert wenig am positiven Gesamteindruck. Insbesondere die Leistungen von Enya Hu, Michelle Wu und Ilvi Ulrich zeigen, dass die Schweiz im europäischen Nachwuchstischtennis über Spielerinnen verfügt, die auch künftig auf internationaler Bühne für Spitzenresultate sorgen können.
