Aufbruchsstimmung beim Tischtennis-Club Bellinzona (ABTT)

Im Jahr 2019 hat der damalige Bellenzer Tischtennis-Clubpräsident Raoul Gomez (64-jährig) eine Art Wiedergeburt des Vereins aus der Tessiner Kantonshauptstadt eingeleitet. Seit 2021 leiten nun in erster Linie Präsident Stefano Mozzi (59), Sportchef Sergio Roic (64) sowie Stefan Lazic (33, Finanzchef, Sponsor und Spieler) die Geschicke des aufstrebenden Clubs. Dabei erfahren wir interessante Details über die Clubausrichtung der Aktiv- und Nachwuchsabteilung sowie das soziale Engagement.

 

Text & Fotos: Robert Szendröi

 

Tauchen wir somit sofort ins Gespräch mit Sportchef Sergio Roic ein, dem die Motivation für eine erfolgreiche sportliche Zukunft – nicht nur des Fanionteams – buchstäblich ins Gesicht geschrieben ist: „Ich nenne es gleich beim Namen: Mit unserer 1. Mannschaft wollen wir Ende Saison den Aufstieg in die Nationalliga B vollziehen! Damit wir dieses Ziel erreichen, setzen wir auf junge talentierte Cracks aus Italien. In zwei bis vier Jahren soll zudem der Sprung in die oberste nationale Liga Tatsache werden. Dafür haben wir im sportlichen Bereich eine gesunde Basis aufgebaut. Das heisst: Wir verfügen in der Zwischenzeit über fünf Aktivmannschaften. Dabei spielt unsere 1. Equipe in der NLC, zwei Teams spielen in der 1. Liga sowie je eine Truppe in der 3. sowie 4. Liga. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, beweist gleichzeitig, dass unser junges italienisches Talent Federico Vallino (Nummer 14 in Italien, A20-Klassierung) im Final des ELO-Turniers Wils Nummer 1 Elia Schmid bezwingen konnte“.

Genauso stolz ist Roic, dass im Juniorenbetrieb mit den beiden 13-jährigen Lorenzo D’Arcangelo und Olmo Biasco zwei aussergewöhnliche heimische Talente heranwachsen. Dazu vermelden die beiden Jungs schelmisch im Duett: „Im Juni 2023 haben wir den Teamwettbewerb am Suisse Junior-Challenge, in Lausanne, gewonnen! Wir wollen uns sportlich soweit wie möglich entwickeln, damit wir schon bald unsere Clubgrössen am Tisch ärgern können“! Besonders gefördert werden die beiden Youngsters und ihre Kameraden vom Nachwuchstrainer Simone Bertoli (32). Auch in Sachen Vereinsgrösse spricht der sportliche Leiter Sergio R. Klartext: „Wir können zur Zeit auf rund 30 Aktiv- und 30 Juniorenmitglieder zählen. Dazu gesellen sich nochmals 30 nicht lizenzierte Jugendliche, die regelmässig dem Tischtennis frönen“.

Stefan Lazic, Stefano Mozzi & Sergio Roic

Der routinierte Italiener Fabio Mantegazza (A18) – die „pudelwohle“ Verstärkung

Er gehört zwar nicht zum jungen italienischen Eisen des Fanionteams aus dem Sopraceneri, jedoch sind seine Motivation, sein Können und Fachwissen für den ambitionierten Club indes Gold wert, denn Mantegazza hat früher die Bälle sogar in England und Japan übers Netz geschmettert. Dazu ergänzt der in Lugano wohnhafte Fabio M.: „Es ist schön, dass ich nach 30 Jahren Tischtennis immer noch enorme Leidenschaft empfinde. Dies dank meinem tollen spielerischen Abenteuer im Nordtessin. Meine Motivation erstreckt sich über den spielerischen Bereich und schliesst auch Manageraufgaben beim Club mit ein. Es war ein mutiger Clubentscheid, bereits in den unteren Ligen starke Cracks zu verpflichten und nicht unnötig zu verheimlichen, dass man in die STTL aufsteigen will. Ich bin mir sicher, dass die ABTT in drei bis vier Jahren hierzulande zu einer schönen Überraschung avanciert“.

Vielseitiger Trainingsbetrieb auf hohem Niveau und bis ins Bleniotal

Mit dem privaten Trainer Giuseppe Fusco (57) aus der italienischen Provinz Varese ist es den Bellenzer Clubverantwortlichen gelungen, einen weiteren kompetenten Fachmann in die Tessiner Kantonshauptstadt zu lotsen. Überlassen wir Fusco unverzüglich das Wort: „Jeden Dienstag trainiere ich mit Erwachsenen und Jugendlichen, um ihnen wichtige Tipps und Tricks unseres attraktiven Sports zu vermitteln. Dabei setze ich darauf, dass sich jeder Teilnehmer verbessert und in seiner persönlichen Klassierung einen Sprung nach oben vollzieht. Selbst kann ich auf eine jahrelange Erfahrung mit der Vareser Juniorenauswahl zählen. Zudem war ich zu meinen besten Aktivzeiten die Nummer 30 Italiens“.

Nicht nur hinter den Spieltischen der Turn- und Sporthalle des Jugend- und Sportzentrums zu Bellinzona wird fleissig attackiert und retourniert. Die ABTT weitet ihre Aktivitäten bis ins Bleniotal aus. Dabei hat man eine wunderbare Zusammenarbeit mit der Polisportiva Bleniese geschaffen, die von Ricardo Mesquita (38) als Koordinator, zwischen den beiden Stätten in Acquarossa und Bellinzona koordiniert wird. Selbstverständlich verrät uns Mesquita die Einzelheiten seines Wirkens: „Wir können im Bleniotal auf rund 15 Jugendliche zählen und wollen diese Anzahl weiter wachsen lassen. Das gemeinsame Arbeiten, zwischen uns und den Tessiner Hauptstädtern wird in unserem Tal sehr geschätzt. Wir sind uns bewusst, dass es sehr schwierig wäre, einen Tischtennisbetrieb selbständig zu unterhalten. Dafür ist unsere Region zu klein und zu dünn besiedelt. Unsere Talente können ihre Karrieren später in Bellinzona fortsetzen“.

Simone Bertoli: Der Antreiber nicht nur im Nachwuchsbereich…

In der langfristigen Planung des Nordtessiner Clubs hat Simone Bertoli eine wichtige Rolle inne. Dabei ist das Wachstum und die Jugendförderung fundamental. Gerne klärt er uns über seine Aufgaben auf: „Bei meiner Tätigkeit beschäftige ich mich mit Schülern zwischen acht und 14 Jahren, mit oder ohne Lizenz. In Sachen Spielniveau handelt es sich um Anfänger und Fortgeschrittene. Bei unserer Philosophie geht es nicht nur um die sportliche Weiterentwicklung. Die jungen Teilnehmer sollen ebenso Freundschaften bilden, gut erzogen und organisiert sein sowie dem Tischtennis besondere Freude abgewinnen. Schliesslich wollen wir sie auf lange Sicht in unserem Umfeld behalten. Auch wenn sie sich später für ein Studium auf der Gotthard-Nordseite aufhalten, sollen sie sich fürs Tischtennisspiel wieder im Tessin finden. Gerade pädagogisch kann ich dank meinen Erfahrungen mit Special-Olympics-Sportlern die nötige Empathie einfliessen lassen. Als inoffizieller Schweizer Trainer habe ich die entsprechenden Tischtennis-Nationalmannschaften der Frauen und Männer an den World Summer Games im Juni 2023 in Berlin beidseitig zu Gold betreut. Insgesamt wurden die Spiele in Deutschlands Hauptstadt von rund 400‘000 Zuschauern besucht. Zuvor wirkte ich in Italien als Paraolympic-Trainer. Dabei erreichte mein Landsmann den 5. und meine Landsfrau den Goldplatz an den Paraolympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016. Ferner trainiere ich hier im  Club Erwachsene sowie unterschiedlich begabte Personen, wie z. B. Rollstuhlsportler“.

Stefano Mozzi: Ein Clubpräsident mit prägnanten Visionen

Schon vor Jahrzehnten hat der aktuelle Bellenzer Clubpräsident seine Leidenschaft für das Tischtennis entdeckt. Nun steht er in der dritten Saison an der Spitze des mittlerweile ambitionierten Vereins. Dazu stellt er klar: „Unser Club soll weiter wachsen. Wir wollen dem Verein zu langfristiger Stabilität mit gesunder Finanzpolitik verhelfen. So engagieren wir uns, damit unser Sport in den Schulen schmackhaft gemacht wird und verteilen dazu „Flyer“. In Sachen Pressewelt sind wir zuletzt mit den Zeitschriften „Rivista di Bellinzona“ (Bellenzer Revue) und der „Azione“ (Migros-Zeitung) an die Öffentlichkeit getreten. Wie von unserer sportlichen Leitung erwähnt, haben wir uns den baldigen STTL-Aufstieg zum Ziel gesetzt“.

Tausendsassa Stefan Lazic: Finanzleiter, Sponsor und Spieler

Stefan Lazic klebt mit seinem vielschichtigen Engagement schon beinahe am „Granata“-Club. Seine Tätigkeiten sind für den Club vielleicht sogar überlebenswichtig. Dazu legt er offen: „Mit meiner Firma „Il Ponte“, bei der es sich um ein Spitex-Unternehmen handelt, habe ich mich für eine Hauptsponsoren-Unterstützung entschieden. Bei den Tätigkeiten der ABTT geht es ja nicht nur um Leistungssport, sondern am Trainingsbetrieb nehmen auch die Paraplegiker-Gruppe Tessin, Mitglieder des Von Mentlen-Instituts oder Personen der Parkinson-Vereinigung teil. Tischtennis eignet sich ausgezeichnet dazu, um Sehvermögen, Konzentration und Körperbewegungen unter Kontrolle zu halten sowie auch der Demenz entgegen zu wirken. Mit „Il Ponte“ wollen wir Familien sensibilisieren, damit sie viele Behandlungen besser von Fachkräften als von Angehörigen ausführen lassen. Schliesslich sind viele Heilverfahren versicherungstechnisch abgedeckt. Meine Verbundenheit zwischen meiner Finanzleiter-Funktion und als Hauptsponsor des Clubs zeigen mir unsere finanzielle Situation stets aktuell auf. Zudem bleibe ich als Spieler der 1. Mannschaft auch sportlich am Puls der Vereinsentwicklung“.

Es lässt sich abschätzen, dass man bei der ABTT ganz bestimmt von einem zukünftigen STTL-Derby gegen die Rivalen aus Lugano träumt, so wie es zwischen dem HC Ambrì-Piotta und HC Lugano im Eishockey traditionell gang und gäbe ist!