Seit 2020 werden die Schweizer Meisterschaften von Elite und Para gemeinsam durchgeführt. In Gesprächen mit Dirk Kretzschmar und Markus Jutzi an den Schweizer Meisterschaften 2026 im Jugendsportzentrum Tenero wird deutlich, wie weit der Schweizer Tischtennissport in Sachen Inklusion gekommen ist, aber auch, wo noch Potenzial liegt.
Text: Fabrice Descloux / Fotos: René Zwald

Dirk Kretzschmar, du bist dreimal nacheinander Schweizer Meister in der Einzelkategorie Tetra geworden. Wir unterhalten uns nun kurz vor dem Halbfinale der Schweizer Meisterschaften in Tenero. Wie nimmst du die aktuelle Austragung wahr?
Bis jetzt erscheinen mir die Schweizer Meisterschaften sehr gut organisiert. Alles funktioniert, der Livestream ist stabil, und es ist schön, dass auch die Familien zuhause das Para‑Tischtennis mitverfolgen können. Spielbetrieb, Unterkunft und Organisation passen bislang sehr gut. Es gibt genügend Parkplätze und ausreichend Abstellmöglichkeiten. Ich bin positiv überrascht – Tenero überzeugt einmal mehr, und im Tessin ist es ohnehin immer schön.
Seit Januar 2026 wurde der Para‑Sport vermehrt ins Sportreglement von Swiss Table Tennis integriert, so wurde etwa die neue Para‑T‑Card eingeführt. Was hältst du davon, dass jetzt alle Para-Spieler eine Lizenz bei STT haben müssen, um offizielle Wettkämpfe zu spielen?
Meiner Meinung nach ist das eine sehr gute Entwicklung. Ein einheitliches System schafft Transparenz und Vergleichbarkeit – man sieht, wo man steht und wohin man sich entwickeln möchte. Das gilt für den Para‑ wie auch für den Validen‑Bereich. Die Para‑T‑Card ermöglicht es zudem allen Spieler:innen, ihre Resultate online nachzuverfolgen. Sie einmal jährlich zu lösen, ist unkompliziert und sinnvoll. Die Integration des Para‑Sports in Swiss Table Tennis ist gelebte Inklusion.
Wie sieht deine sportliche Planung für die kommenden Wochen und Monate aus?
Mein Fokus liegt klar auf den internationalen Wettkämpfen. Bereits nächste Woche geht es direkt nach der Schweizer Meisterschaft nach Spanien an ein internationales Turnier an der Costa Brava. Danach folgen weitere Turniere, unter anderem in Lasko in Slowenien und Podgorica in Montenegro. Aktuell dreht sich alles um Training, Optimierung und gezielte Vorbereitung, um international möglichst gute Resultate zu erzielen.


Markus Jutzi, du bist erstes Mitglied der Inklusionskommission von Swiss Table Tennis und Initiator der gemeinsamen Durchführung von Elite‑ und Para‑Schweizer Meisterschaften. Wie beurteilst du die Entwicklung seit 2020?
Die Idee trug ich schon lange mit mir herum. 2020 konnte ich sie endlich umsetzen und bin dafür direkt auf den TTC Rapperswil-Jona zugegangen, wo ich diverse Leute kenne. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Zunächst war geplant, auch die Gruppenspiele parallel durchzuführen, was hallentechnisch aber nicht möglich war. Deshalb fanden damals die Gruppenspiele einen Monat vorher in Nottwil statt, die Finalspiele dann gemeinsam am Sonntag neben der Elite-Schweizer Meisterschaft. Rückblickend war das ein wichtiger Schritt und ich würde diesen Weg jederzeit wieder einschlagen. Die Entwicklung ist bis heute sehr positiv verlaufen und in Tenero wird nun erstmals alles vollständig von Swiss Table Tennis organisiert und nicht mehr wie zuvor von der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung oder Rollstuhlsport Schweiz.
Es gibt seit Januar 2026 eine Integration des Para-Reglements in das STT-Sportreglement, zum Beispiel die Schweizer Meisterschaften und die neue Para-T-Card betreffend. Wie beurteilst du diesen Schritt?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. In anderen Landesverbänden wurde diese Integration des Para-Tischtennissports schon vor Jahren vollzogen – die Schweiz hat hier somit etwas aufgeholt. Sowohl der Para‑ als auch der Validen‑Tischtennissport profitieren davon. Mit einer eigenen Lizenz wird der Para‑Sport sichtbarer und offizieller wahrgenommen. Klar, im Moment sind es noch wenige Athlet:innen, aber das System ist neu. Langfristig sehe ich grosses Potenzial, insbesondere auch für inklusive Turniere, bei denen Para‑ und Fussgängerathlet:innen gemeinsam starten können – sowohl im Leistungs‑ wie auch im Breitensport.
Wie beurteilst du die Organisation der Schweizer Meisterschaften in Tenero?
Das Sportzentrum ist grundsätzlich ideal. Die Halle ist mit 16 Tischen allerdings an der oberen Kapazitätsgrenze. Für Rollstuhlfahrer sind kleinere Boxen ausreichend, für Fussgänger aber zum Teil etwas knapp bemessen. Es ist tendenziell aber auch schwierig, Infrastruktur zu finden, wo die Boxen bei 16 Tischen durchgehend eine gute Grösse haben. Auch die Unterkünfte auf dem Gelände des Nationalen Jugendsportzentrums sind funktional, aber nicht überall vollständig barrierefrei. Für zukünftige Austragungen wäre es wünschenswert, verstärkt auf Hotels mit entsprechender Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zurückzugreifen, sofern diese vorhanden sind.
Zum Abschluss: Wie beurteilst du die Livestream‑Lösung, bei der je ein Para‑ und ein Elite‑Tisch parallel übertragen wird?
Sehr positiv. Auch in Möhlin wurden 2025 bereits Tische live übertragen, das zusätzliche Live-Scoring heuer erhöht die Qualität. Für externe Zuschauer:innen steigert das die Attraktivität und Sichtbarkeit des Sports enorm. Es wäre sicher wünschenswert, wenn diese Entwicklung weitergeht und immer mehr Tische übertragen werden können. Es gab wenige Anfangsschwierigkeiten, vielleicht war die Bedienung für einige Schiedsrichter neues Terrain. Aber es ist sicherlich gut, wenn die digitale Welt auch am Tischtennistisch Einzug hält – die zusätzliche Sichtbarkeit ist ein erfreulicher Nebeneffekt der Inklusionsbestrebungen das Para- und Validen-Tischtennis betreffend.

