Die Aufgabe als (Ober-) Schiedsrichter ist heikler, als manche glauben. Speziell im Tessin, genauer beim TTC Tenero, wird diesem Wirken grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Zur interessanten Arbeit haben wir Gespräche mit den Fachkräften Raoul Gomez (58-jährig, Oberschiedsrichter) sowie Pietro Duca (52, Präsident Tessiner Tischtennisverband und Oberschiedsrichter) geführt. Ebenso zu Wort kommt Jordi Gomez (28), Verbands-TK-Chef im Südkanton.
Text und Fotos: Robert Szendröi
Gleich zu Beginn des Gesprächs lässt Duca mit einer gewichtigen Aussage zum Schiedsrichter-Auftritt aufhorchen: „Der Referee darf nicht zum Protagonisten werden. Diese Rolle sollten stets den SpielerInnen zukommen!“
Er selbst begann das Wirken hinten am Tischflügel vor genau acht Jahren, und erinnert sich zurück: „Damals absolvierte ich zuerst die Schiedsrichterprüfung in Ittigen. Und nach den obligatorischen zwei Jahren Schiri-Tätigkeit reiste ich erneut an den gleichen Ort, um mir das Oberschiedsrichtergewand überzustreifen“. In dieser Funktion gewann er unter anderem eine Vorliebe für die Turnier-Organisation und die Auslosungen der Partien.
Auf die Frage, was er vom Schiedsrichter im Wettkampfeinsatz erwarte, antwortet Pietro D.: „Er muss seine Arbeit sehr konzentriert erfüllen. Dazu gehört nicht nur die Sichtweise, sondern genauso ein feines Gehör. Manchmal genügen nämlich die Augen nicht, um festzustellen, ob der Ball die Tischkante noch touchiert hat oder eben nicht.“ Ferner müsse ein Unparteiischer allgemeine Ruhe ausstrahlen und Fingerspitzengefühl zeigen, damit er die Partie souverän leiten könne. „Wichtig ist, dass der Schiri seine Entscheide klar kommuniziert und sich von einer hitzigen Atmosphäre nicht beeinflussen lässt.“
Vielseitige Aufgaben
Wer kann Oberschiedsrichter werden? Und welche Aufgaben gehören zu dieser Tätigkeit? Diese Fragen stellen wir Raoul Gomez, welcher sowohl die Perspektiven als Spieler, Klub- und Verbandsleitungsmitglied als auch diejenigen von (Ober-)Schiedsrichterseite in- und auswendig kennt und deswegen für uns der perfekte Ansprechpartner ist. „Wer den Weg als Oberschiedsrichter einschlagen will, muss zuerst einmal 18-jährig sein“, erklärt der 58-Jährige. „Die Regeln im Einzel und Doppel sowie in den entsprechenden Spielwettbewerben sollte er oder sie versinnlicht haben.“ Zu den Aufgaben des Oberschiedsrichters gehören an einem Turnier unter anderem die Aufstellung des Zeitplans und die Auslosungen vor Spielbeginn. „Datum und Ort der Auslosung müssen schon vorzeitig öffentlich mitgeteilt werden“, berichtet Gomez, und führt weiter aus: „Auch muss der Oberschiedsrichter vor dem ersten Ballwechsel eine Spielerkontrolle durchführen, damit er feststellen kann, ob die Spieler lizenziert sind und sich in der richtigen Kategorie eingeschrieben haben.“ Dieses Amt muss akribisch erledigt werden – schliesslich kann man so bereits vor dem jeweiligen Startschuss das eine oder andere wichtige Problem ausmerzen.
Ist der erste Ballwechsel am Tisch erfolgt, ist die Arbeit des OSR indes noch lange nicht erledigt, berichtet Raoul G. weiter: „Nun liegt mir am Herzen, dass die Spiele korrekt und pünktlich stattfinden. Die Arbeit am Tisch und in der entsprechenden Box ist aber Schiedsrichtersache. Als OSR schaue ich indes, dass rundherum in der Halle alles mit rechten Dingen zu und her geht und die Ausrüstungen der Spieler korrekt sind.“
Und welche Pflichtaufgabe bereitet ihm am meisten Mühe? „Wenn ich nach verschiedenen gelben und roten Karten einen Spiel- oder Turnierausschluss eines Tischtennisspielenden beschliessen muss. Auch Forfait-Niederlagen stossen mir schlecht auf, aber leider gibt es dabei keine andere Wahl“.
Wünsche für die Zukunft
Unter einer etwas anderen Lupe begutachtet der technische Leiter Jordi Gomez das Wirken der Schiedsrichtenden: „Im Tessin ist die Zeitplaneinhaltung sehr streng. Ein Ding, das auf der Gotthard-Nordseite weniger gut funktioniert. Insgesamt erhoffe ich mir etwas rigorosere SchiedsrichterInnen inklusiv OSR“.
Und zu guter Letzt brennt ihm noch ein Wunsch auf der Zunge: „In Zukunft sollten die Turnierauslosungen nicht mehr vorzeitig bekanntgegeben werden. Dies hindert nämlich einige Teilnehmende daran, zu einem weitentfernten Spielort hinzureisen, wenn sie bereits wissen, dass sie in der ersten Runde auf einen wohl zu starken Widersacher treffen werden. Deshalb entstehen Lücken im vorgesehenen Turnierplan. Und das ist für die Organisatoren äusserst unangenehm“.
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