JEM: Bilanz der Team-Wettkämpfe

Der Gewinn der Bronzemedaille durch die U15-Mädchen überragt die Schweizer Bilanz an den Team-Wettkämpfen. Nach dem Vize-Europameistertitel des U13-Teams in der vergangenen Saison ist es erst die zweite Team-Medaille an Europameisterschaften der Schweizer Tischtennisgeschichte. Die U19-Jungs schafften die Qualifikation für das Achtelfinale und sicherten sich mit Rang 15 den Verbleib in der ersten Division, was ebenfalls als Erfolg verbucht werden kann. Die U15-Jungs und die U19-Mädchen beendeten das Turnier auf den Rängen 25 und 31. Am Mittwoch starten in Portugal die Einzel- und Doppelwettkämpfe.

Text: Lionel Weber / Fotos: Samir Mulabdic, ETTU

Zum Bericht der Gruppenphase

U15 Mädchen: Historischer Medaillengewinn

Nach den Triumphen gegen Spanien und Litauen im Achtel- und Viertelfinale konnten die Schweizerinnen auch gegen Deutschland lange Zeit gut mithalten. Enya Hu schlug zum Auftakt mit Amelie Jia, die Nummer 2 des U15-Europarankings, mit 3:1. Nachdem Ilvi Ulrich zudem ihren Startsatz gegen Anna Walter gewann, lag die Überraschung schon in der Luft. Doch dann kippte das Momentum. Walter gewann den zweiten Satz etwas glücklich mit 11:9 und steigerte sich daraufhin merklich. Sie bezwang Ulrich in 4 knappen Sätzen und nahm ihren Schwung auch ins Doppel und das darauffolgende Einzel mit. Das Doppel dominierten die Deutschen mit 3:0 und im darauffolgenden Einzel schlug Walter auch Enya Hu mit 3:1, die nicht mehr ganz an ihre Leistungen aus den vorherigen Spielen anknüpfen konnte.

Mit der ersten Medaille an U15/U19 Jugend-Europameisterschaften haben Hu, Wu und Ulrich die hohen Erwartungen mehr als erfüllt. Die Turnierbilanz von Chef Nachwuchs Pedro Pelz fiel dementsprechend aus: „Alle drei Spielerinnen haben sehr starke Leistungen gezeigt und Enya Hu hat ein überragendes Turnier gespielt. Besonders gefallen hat mir auch die Stimmung im Team und wir blicken positiv in die Zukunft.“ Dass nach dem Halbfinale das schwache Gefühl blieb, dass sogar noch mehr möglich gewesen wäre, zeigt die Qualität dieses Teams eindrücklich auf. „Man darf nicht vergessen, das mit Enya Hu und Michelle Wu zwei der drei Spielerinnen eigentlich noch in der Kategorie U13 sind. Und auch dahinter haben wir weitere junge Spielerinnen auf Top-Niveau“, meinte Pelz dazu.

Enya Hu

U19 Jungs: Zwei Mal den Divisionserhalt geschafft

Die Schweizer erhielten im Achtelfinale mit dem späteren Europameister Frankreich das schwierigste aller Lose und spielten danach um die Ränge 9-16. Gleich zu Beginn mussten sie eine knappe Niederlage gegen Tschechien einstecken. Noe Keusch gewann sein erstes Einzel, verlor aber sein zweites Einzel im Entscheidungssatz. Und auch Elias-Mate Simo und Lowis Vogler verloren ihre beiden Spiele knapp mit 1:3. Gegen Bulgarien pausierte daraufhin Keusch und einzig Levi Ulrich konnte sein Spiel gewinnen. Deshalb spielten die Schweizer gegen Belgien um Rang 15 und mussten wie schon zuvor in der Zwischenrunde gegen Kroatien um Erhalt in der ersten Division spielen. 

Diese Aufgabe erfüllten sie souverän und mit einer geschlossenen Teamleistung. Noe Keusch, Lowis Vogler und Levi Ulrich gewannen jeweils ihre Einzel und ersparten dem Team somit die nervenaufreibenden Spiele 4 und 5. Dank dieses Sieges werden die Schweizer auch im nächsten Jahr in der ersten Division starten dürfen. Cheftrainer Samir Mulabdic betreute das Team und war vor allem mit den Leistungen in den Abstiegsspielen sehr zufrieden: „Bereits das Spiel gegen Kroatien war mental schwierig, da wir zuvor mit drei Niederlagen in der ersten Division gestartet waren und Kroatien aus der zweiten Division mit viel Selbstvertrauen kam. Wir wussten, dass der Divisionserhalt keine einfache Aufgabe sein wird. Umso erfreulicher war auch, dass anschliessend im entscheidenden Spiel gegen Belgien das ganze Team hervorragend funktioniert hat und jeder Spieler seinen Beitrag geleistet hat.“

U15 Jungs: Erste EM-Erfahrungen mit positivem Abschluss

Nach dem Abstieg in die zweite Division trafen die U-15 Jungs in den Platzierungsspielen auf Litauen, Dänemark und San Marino. Gegen Litauen und Dänemark gab es jeweils 0:3 Niederlagen, wobei dies nicht wirklich die Leistung der Schweizer widerspiegelte. Balthazar Porritt verlor seine beiden Einzel jeweils erst im Entscheidungssatz. Und auch Arthur Loustalot und Charlie Hurtado hatten ihre Chancen auf den Sieg, verloren aber jeweils den wichtigen dritten Satz beim Stande von 1:1 in der Verlängerung. Diese Spiele zeigten auf, dass den drei Schweizern an ihren U15-Europameisterschaften trotz positiver Ansätze noch etwas die internationale Erfahrung fehlte. „In der Gruppenphase der ersten Division war gegen die starken Gegner wenig zu holen und die Jungs haben gute Erfahrungen sammeln können. Danach wäre in der Zwischenrunde etwas mehr drin gelegen“, meinte Yannick Charmot, der das Team betreute. 

Das letzte Spiel gegen San Marino konnten die Schweizer mit 3:1 gewinnen und das Turnier somit positiv abschliessen. Insbesondere Arthur Loustalot zeigte eine kämpferische Leistung und gewann zwei Einzel und das Doppel an der Seite von Charlie Hurtado: „Im zweiten Einzel war er mit 0:2 hinten und wehrte 3 Matchbälle ab, bevor er das Spiel gewann.  Auch im Doppel haben sie super gekämpft und das Spiel knapp gewonnen. Insgesamt war es eine gute Erfahrung für das junge Team, schliesslich waren sie alle zum ersten Mal an den Jugend-Europameisterschaften dabei“, bilanzierte Charmot.

Arthur Loustalot

U19 Mädchen: Guter Einsatz und einige verpassten Chancen

Die Aufstiegsspiele hatten die Mädchen gegen Dänemark knapp verpasst und deswegen im Anschluss um die Positionen 25-34 gegen Estland, Bosnien, Lettland und die Niederlande gespielt. Dabei siegten die Schweizerinnen gegen Estland mit 3:2 und verloren die übrigen Partien. Gegen Estland überzeugte vor allem Akhyata Patra mit zwei Siegen. Trainerin Alex Blazek war mit dem Einsatz der Spielerinnen zufrieden, nicht jedoch mit dem Schlussrang 31: „Etwas schade war insbesondere der Ausgang des ersten Spiels gegen Dänemark, bei dem wir unsere Chancen hatten“. Mit einem Sieg hätten die Schweizerinnen anschliessend um die vorderen Plätze mitspielen können. 

Positiv ist sicherlich, dass mit Akhyata Patra, Livia Generowicz, Amira Meier und Emma Kühn alle vier Spielerinnen im Turnierverlauf Siege holen konnten. Alle vier sind zudem auch im nächsten Jahr noch bei der U19 spielberechtigt und werden die gewonnenen Erfahrungen gebrauchen können. „Die Leistung war insgesamt okay, aber Kleinigkeiten haben in den knappen Sätzen oft zu unserem Ungunsten entschieden. Trotzdem haben die Mädchen bis zum Schluss weitergekämpft und nicht den Kopf hängen gelassen“, bilanzierte Blazek.

Amira Meier